Anti-Aging News 01/2009

Anti-Aging News 01/2009

+++ TITELTHEMEN +++

Unglaublich! Hier hatte ich Cellulite

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Was hat Demenz mit Dicksein zu tun?

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Im Abwärtssog der Botenstoffe

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So werden die 100 Bewegungs-Wunder wieder flott

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Schneiden? Lieber Schlucken!

Für das Selbstbewusstsein der Frau ist die Brust von größter Bedeutung. Sie repräsentiert in augenfälligster Form ihre Weiblichkeit. Schon als Kind war das jeder bewusst. Aber nicht alle haben das...  weiterlesen weiterlesen
 

Haare & Nägel

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Heilen mit Mond und Wein – Länger leben dank der Klostermedizin

4000 Jahre Anti-Aging-Medizin | 5. Folge

Zwischen dem Heil der Seele und dem körperlichen Wohl: Wie Hildegard von Bingen die Leibfeindlichkeit ihrer Zeit überwand

Der dramatische Zerfall des weströmischen Reiches im fünften und der Untergangdes islamischen Reiches im elften Jahrhundert erschwerten jede intellektuelle Weiterbildung auf dem Gebiet der Heilkunst. Unbeeinflusst davon hatte sich bei den Germanen aus dem engen Erleben der Natur ein umfangreiches Wissen angesammelt.

Kaum eine Pflanze, kaum ein tierischer Bestandteil fand nicht als Arzneimittel Verwendung. Zu den allerersten Wundkräutern zählten nach den Erfahrungen isländischer Ureinwohner Lauch und Angelika.

Auch Schlüsselblume (lat. Primula) und Gundermann (lat. Glechoma) werden bereits in frühesten Quellen genannt. Mit der Erfindung der Destillierapparate im neunten Jahrhundert erweiterte sich die Palette der zur Verfügung stehenden Substanzen um die ersten ätherischen Öle. Diese Riechstoffe wurden durch Wasserdämpfe gewonnen – besonders reichlich aus Rutaceen, Myrtaceen, Pinaceen, Umbelliferen und Labiaten. Später lieferten an die hundert Pflanzen auch die festen Bestandteile der Öle, Kampfer genannt.

Die Behandlung der Kranken wurde vor allem Frauen anvertraut. Fast jedes Leiden stand in irgendeiner Beziehung zu den Gestirnen, vor allem zum Mond. Es entwickelte sich der Brauch, bestimmte Heilpflanzen bei zunehmendem Mond zu sammeln – und ebenso Warzen bei abnehmendem Mond zu schneiden. Mit dem Eindringen des christlichen Glaubens übernahmen Mönche mehr und mehr die Pflege und die naturwissenschaftliche Erforschung der Medizin. Oft fehlte ihrem geistigen Schaffen die Originalität. Heilkunst wurde nicht als eigenständige Wissenschaft betrachtet. Dem Studium der Natur wurde keine große Bedeutung beigemessen, da nicht Sichtbares, sondern das Unsichtbare zählte.

Als Kreatur des göttlichen Willens hatte der Mensch das Schicksal, dem Willen des Schöpfers zu entsprechen. Demut wird zur ersten Christenpflicht. Jeder Anspruch, dem lieben Gott ins Handwerk zu pfuschen, wäre als Vermessenheit verworfen worden.

Die Unterweisung und Erziehung wurde in den Klosterschulen konzentriert. Die daraus resultierende Philosophie, Scholastik genannt, war für die Weiterentwicklung der Medizin kein fruchtbarer Nährboden. Dennoch entstanden in den ersten Jahrhunderten des christlichen Abendlandes Krankensäle, die in den Klöstern verschiedener Orden eingerichtet wurden. Besonders die Benediktiner betätigten sich beispielhaft. Die Mönchs- oder Klostermedizin basierte auf den Lehren griechischer Ärzte – ihr Wissen wurde aus arabischen Übersetzungen angeeignet. Auf glückliche Weise bezog sie auch die Kenntnisse germanischer Naturstämme mit ein. Diese Entwicklung erlebte ihre Blütezeit zwischen dem neunten und zwölften Jahrhundert.

BuchTipp

„Resveratrol“ € 14,95
ISBN 978-3-8304-3370-5

Die gesundheitsfördernde Kraft des Weines wurde schon vor Jahrtausenden geschätzt. Seine spektakulärste Wirkung wurde erst kürzlich entdeckt:

Resveratrol, ein natürlicher Schutzstoff der Weintraube, aktiviert ein spezielles Langlebigkeitsgen!

Dieser Erkenntnis verdankt die Anti-Aging-Medizin eine interessante Zukunftsperspektive. Autor Dr. med. Bernd Kleine-Gunk berichtet Erstaunliches über die vielseitigen Funktionen der Rotwein-Medizin Resveratrol. Interessante Lektüre!

In den Klöstern wurde die lange Tradition des Heilens mit Wein fortgeführt: als Beruhigungs- und Schlafmittel, als Schmerzmedikation, zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, als Stärkungsmittel für Genesende, sowie zur oberflächlichen Wundbehandlung wegen seiner desinfizierenden Wirkungen. Wein in der Heilkunde wurde sehr bewusst eingesetzt: Bei fieberhaften Erkrankungen schwere, süße Sorten, bei Appetitmangel eher leichtere, säurebetonte.

Gegen Blutungen wurden gerbstoffreiche Weine verordnet – mit adstringierendem, also die Gefäße zusammenziehendem Effekt.

Im Mittelalter waren die Klöster sowohl die Zentren des Weinanbaus, als auch die einzigen Krankenhäuser, und der Wein war ein fester Bestandteil der medizinischen Versorgung. Wein erwies sich als die ideale pharmakologische Basis für die Auflösung und Konservierung aus den Heilpflanzen gewonnener Substanzen. Sein Aroma überdeckte noch dazu den häufig nicht gerade angenehmen Geschmack vieler Arzneien.

Trotz einer gewissen Leibfeindlichkeit, denn das Heil der Seele wog stärker als das körperliche Wohl, schenkte uns diese Epoche die schillernde Persönlichkeit einer überaus gelehrten Frau, der Äbtissin Hildegard von Bingen. Geboren 1098, gestorben im hohen Alter von 81 Jahren, entwickelte sie eine Naturkunde, über die ihre Schriften und Bücher Aufschluss geben. Halb lateinisch, halb deutsch, entstand in „Physica“ der Anfang einer deutschen Tier- und Pflanzenkunde.

Ihr Credo mutet ausgesprochen modern an: Von seinem Ursprung der göttlichen Schöpfung her ist der Mensch in die gesunde Ordnung der Naturkräfte eingebunden. Aber durch sein Versagen entstehen Unordnung und Krankheit.

Kranksein gilt als menschliche Verfehlung. Mäßigung wird zum Modewort. Weil Hildegard von Bingen den Menschen unauflöslich den Elementen und dem Weltall verbunden sah, schrieb sie den Gestirnen einen großen Einfluss zu. Unausweichlich sollte ihre Medizin als Disziplin der Lebensführung verstanden werden: „Und wie die Geschöpfe im Sommer blühen und grünen, im Winter dürren und welken, so blüht und grünt auch die Seele freudig in ihren guten Werken, im Tun des Bösen aber dörrt sie unter Trauer und vergeht.“

Hildegard von Bingen setzte Wein zur Balance der berühmten vier Körpersäfte „Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle“ ein. Vor allem gegen ein Übermaß an schwarzer Galle, welche sich durch vermehrte Reizbarkeit und Wutausbrüche bemerkbar machte, war laut Hildegard der Wein besonders wirksam. Sie empfahl, eine halbe Tasse Weißwein bis kurz vor dem Siedepunkt zu erhitzen und das Gebräu dann mit Wasser gemischt zu trinken. Wie sehr die Symbolik des Weines und des Weinanbaus das kirchliche Denken prägte, zeigte sich nicht zuletzt in der Antrittsrede Kardinal Ratzingers. Soeben zum Papst gewählt, bezeichnete sich der hoch gebildete Theologe als „demütiger, einfacher Arbeiter im Weinberg des Herrn“.
Ein früher Tod galt als Strafe Gottes.

Ein Psalmist nannte als Normalalter 70 Jahre und „wenn er kräftig ist“, achtzig. In Indien versprachen eine mysteriöse Quelle und ein heiliger Stein wahren Christen ein längeres Leben.

Auch in Europa entwickelte sich der Glaube an einen Jungbrunnen. Lucas Cranach malte die weltberühmte Badeszene, in der aus alten Weibern blühende junge Frauen werden.

Die enge Verbindung von Religion und Heilkunst verkörperte der Arzt und Philosoph Petrus Hispanus. Er studierte die freien Künste, lehrte Medizin, erwarb als Leibarzt von Papst Gregor X. die Kardinalswürde und wurde 1276 als einziger Mediziner in der Geschichte zum Papst – Johannes XXI. gewählt. Die wissenschaftlichen Arbeiten setzte er fort. Das war sein Verhängnis. Die Decke über dem für ihn im Papstpalast errichteten Arbeitszimmer stürzte ein und verletzte ihn tödlich.

Um besonders beliebte Gotteshäuser sammelten sich mit der Zunahme an Pilgern Händler, Geldverleiher und in der Folge auch Apotheker, Ärzte und Chirurgen. Denn viele Ratsuchende waren krank.

Weltliche Institute wie die Ärzteschule von Salerno beschnitten entscheidend die Bedeutung der Geistlichkeit in der Ausübung der Medizin. Das war nötig. Reliquienglaube, Zahlenmagie und Zauberei ersetzten vielerorts Heilweisen und Wundkräuter. Papst Innozenz VIII. soll zu seiner Verjüngung das Blut von Kindern getrunken haben. Auch die maurischen Universitäten förderten die Forschung. In zahllosen Lehrwerken wurden die Forderungen von Hippokrates und Galen um die Philosophie der arabischen Medizin bereichert. Auf nie zuvor gekanntem Niveau rückten die Anatomie, die Physiologie und Erfahrungen der Ernährung und Körperpflege in den Mittelpunkt. Mitpoetischer Begabung ausgestattete Ärzte trugen in ihren erfolgreichen Schriften die neu gewonnenen Ansichten in die Metropolen des westlichen Europas. Einige Aussagen fanden sich in der Alltagssprache wieder: „Nach dem Essen sollst du ruhn, oder tausend Schritte tun.“

„Besser als ein Arzt sei die dreifache Regel:
Ruhe, Heiterkeit, Mäßigung.“

Doch vor allem hatte die Medizin praktische Erfolge vorzuweisen – in der Hautpflege, gegen Krampfadern und Fettsucht, in der Verschönerung des Haupthaars und der Vergrößerung oder Verkleinerung der Brüste. Verordnet wurden Abreibungen mit Ölen und Kräutern, sowie das Trinken von Granatapfelwein. Als Wundermittel gegen das Altern wurde der Atem junger Menschen angesehen – besonders einer Jungfrau, die den kranken Alten zu wärmen und in seinen Armen zu schlafen hatte. Als Schönheitsideal der Frau galten „helle, weiche und enthaarte Haut, weiße Zähne, volle, eher dunkle Haare, jugendliche Ausstrahlung und straffer Körper.“

Der franziskanische Ordensbruder Roger Bacon (1214 bis 1294) befruchtete entscheidend das abendländische Denken durch Beobachtung und Befragung der Natur.

Die schwierigen Lebensbedingungen des Mittelalters forderten ihren Tribut: Die Grenze zum Alter lag um die 35 Jahre herum, die Senilität begann mit 60. Für seine weit vorausblickenden Ansichten soll Bacon mit der Einkerkerung durch die christliche Obrigkeit gebüßt haben. Gleichzeitig erschienen den Päpsten gewidmete Schriften mit dem Ziel „Wie man das Leben des Menschen über 120 Jahre hinaus verlängern kann“.

Durch die Entdeckung der Neuen Welt gelang die Kenntnis von fremdländischen Kräutern und Substanzen nach Europa. Die Erfindung des Buchdrucks leitete eine weitere Hochphase medizinisch-botanischer Literatur ein. Es erschienen die Werke der so genannten Väter der Botanik (Peter Schöffer, Hieronymus Bock, Adam Lonicerus, Otto Brunfels, Leonhart Fuchs). Der Humanist Erasmus von Rotterdam weist Wege auf, „die Altersschwäche wie eine Schlangenhaut“ abzuziehen.

In dieser Blütezeit einer eng mit der Natur und ihren natürlichen Heilmitteln verbundenen Heilkunst gelang dem Mediziner und Alchimisten Paracelsus eine wissenschaftliche grundlegende Erweiterung.

Theophrastus Paracelsus (sein wirklicher Name war von Hohenheim) wurde 1493 bei Einsiedeln in der Schweiz geboren und starb 1541 in Salzburg. Nach seinem Studium der Medizin an italienischen Hochschulen führte er ein unstetes Wanderleben. Er besaß einen klaren Verstand und ein ungeheures Wissen, das er in einem Umfange, wie kaum ein anderer zuvor, zu Papier brachte – wie Martin Luther in deutscher Sprache. Mit dem Sublimieren und Destillieren der Arzneimittel führte Paracelsus die Chemie in die Medizin ein. Er lehrte die Anwendung von Schwefel, Blei, Antimon, Quecksilber, Eisen und Kupfer. Trotz seines großen Wissens hatte er nicht viele Schüler und blieb einsam. Man warf ihm vor, dass er den Kranken Gift gebe. Seine Antwort blieb unvergessen:

„Alle Dinge sind Gift und nichts ohne Gift. Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.“

Noch vor der Geburtsstunde der Aufklärung und der Romantik 1489 wurde von seinen Zeitgenossen ein neuer Beruf gefordert: ein Gesundheitsberater für den alten Menschen. Und für die Kunst, den Prozess des Alterns aufzuhalten, fand man sogar einen Begriff: Gerontocomica.