Anti-Aging News 03/2009

Anti-Aging News 03/2009

+++ TITELTHEMEN +++

Melatonin – Mutter-Hormon der Chronobiologie

Vögel und Menschen besitzen unter der Schädeldecke einen Lichtsensor. Ein Unterschied ist gravierend. Der Schädelknochen der gefiederten Freunde ist sehr dünn und lässt Licht durch. Ihr Melder für den Übergang...  weiterlesen weiterlesen
 

Grippeschutz mit der Energie der ersten Stunde

Lange Zeit galt die Kuhvormilch in den skandinavischen Ländern als Heilmittel ersten Ranges. Kälber brauchen nach ihrer Geburt eine besondere Immunisierung, die sie anders als menschliche Babies im Mutterleib nicht...  weiterlesen weiterlesen
 

Koffein & Co – Die Essenzen der Muntermacher

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Tempo-Training auf dem Power Plate

Power Plate erzeugt mit Vibrationen eine Instabilität, auf die der Körper mit Muskelreflexen reagiert, mehrmals pro Sekunde. Diese Kontraktionen gehen in alle drei Dimensionen, für die unser Bewegungsapparat konstruiert wurde,...  weiterlesen weiterlesen
 

5-HTP

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Das große AntiAging News-Interview

Wofür steht die Anti-Aging-Medizin heute?

Dr. med. Alexander Römmler und Dr. med. Bernd Kleine-Gunk stehen Rede und Antwort

Dr. med. Alexander Römmler und Dr. med. Bernd Kleine-Gunk stehen Rede und Antwort. Der eine war erster Präsident der GSAAM, der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Anti-Aging-Medizin e.V. Der andere ist sein Nachfolger. Zwei Präventionsexperten im Einsatz gegen frühzeitiges Altern.

Anti-Aging schreiben sich viele auf die Fahnen, sodass der Begriff inzwischen durchaus umstritten ist. Passt Präventivmedizin nicht besser?

Dr. Alexander Römmler: Da es oft aussichtsreicher ist, eine Erkrankung in ihren Frühstadien anzugehen, etablierte sich parallel zur Behandlungsmedizin die Früherkennungsmedizin. Noch besser ist es, wenn es gelänge, drohende Erkrankungen durch echte Vorbeugung, durch Präventionsmaßnahmen überhaupt zu vermeiden. Die Möglichkeiten einer solchen sinnvollen Präventivmedizin lassen sich heute bereits beliebig ausdehnen: vom Säugling bis zum Senior. Der Begriff Präventionsmedizin ist also sehr universell und unabhängig vom Patientenalter besetzt. Wenn damit nun eine Anti-Aging-Medizin benannt werden soll, wie einige meinen, wäre dies unpräzise, einschränkend und das Zielobjekt nicht gleich zu erkennen.

Altern ist letztlich ein Begriff für die nachlassende Leistungsfähigkeit unseres Organismus, für den körperlichen und mentalen Verfall. Die Folgen sind häufig spezielle Alterserkrankungen, verbunden mit Schmerz, Invalidität und vorzeitigem Tod. Auch hier ist es für viele wünschenswert, bereits vorbeugend, aber auch zugleich im Frühstadium behandelnd gegenzusteuern. Dazu werden die Möglichkeiten und Kenntnisse eingesetzt, die der medizinische Fortschritt jeweils zur Verfügung stellt. Für diesen speziellen Aspekt einer Präventions- bzw. Präventivmedizin „rund um das Altern“ haben die US-Amerikaner den Begriff „Anti-Aging-Medizin“ geprägt. Er ist weltweit etabliert, jeder weiß, welcher Aspekt des Lebens damit gemeint ist. Anti-Aging-Medizin ist hierbei aber mehr als Prävention gegen ungünstige Folgen des Alterns, es ist gleichzeitig auch eine schon frühzeitig einsetzende Therapie von Altersbeschwerden und Folgeerkrankungen. Mit diesem Begriff ist für fortschrittliche Mediziner weltweit nichts mehr unklar oder gar umstritten.

Dr. Bernd Kleine-Gunk: Wir bleiben bei Anti-Aging Medizin, weil wir mehr machen als nur Prävention. Auch Impfen ist Prävention. Unser Ansatz ist umfassender. Wir sagen: Die Risikofaktoren für die großen Volks- und Zivilisationskrankheiten wie Arteriosklerose, Osteoporose, Diabetes, Demenz und Krebs sind in erster Linie die Alterungsprozesse. Und deshalb müssen wir verstehen, wie wir altern, die Biologie des Alterns erforschen und auf diesen Erkenntnissen aufbauend mit gezielten Strategien gegen das Altern im Sinne von Degeneration vorgehen. Das ist die Aufgabe der Anti-Aging-Medizin. Und deshalb wollen wir uns auch von diesem Begriff nicht trennen.

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German Society of Anti-Aging Medicine e.V.

Die epidemiehaften Zivilisationskrankheiten unserer Zeit sind auch von vorzeitiger Organalterung geprägt. Welche Rolle spielt dabei das Alter?

Dr. Alexander Römmler: Noch um das Jahr 1900 herum betrug die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland etwa 43 Jahre. Die Ursachen dafür lagen zu mehr als 80 Prozent an den Folgen der damals kaum zu behandelnden Infektionskrankheiten in allen Altersstufen. Dank des kulturellen und medizinischen Fortschritts erleben heute immer mehr Menschen höhere Lebensjahre. Sie haben damit in größerem Ausmaß die Chance, einerseits das geschenkte Dasein länger zu erleben und zu gestalten, andererseits aber auch den Alterungsprozess und dessen Folgen an sich zu erfahren. Dazu gehören auch die chronischen degenerativen Alterskrankheiten, die sich epidemiehaft ausbreiten. Das Nachlassen der altersbedingten organischen Leistungsreserve und eine oft träge, ungesunde Lebensweise, ergänzen sich hier unglücklicherweise.

Dr. Bernd Kleine-Gunk: Der Prozess des Alterns ist molekularbiologisch weitgehend entschlüsselt. Eine einheitliche Theorie des Alterns steht zwar noch immer aus. Die Erkenntnisse haben jedoch in den letzten Jahren enorm zugenommen. Wie bei vielen Erkrankungen handelt es sich offenbar auch bei der „Krankheit Altern“ um ein „multifaktorielles Geschehen“. In Grenzen ist es aber bereits beeinflussbar.

Lässt die klassische Medizin den Menschen in seinem Bedürfnis nach gesundem Altern
ziemlich im Regen stehen?

Dr. Alexander Römmler: Die klassische Medizin herkömmlicher Art kann man als symptomorientierte Behandlungsmedizin definieren. Sie erfüllt wichtige Aufgaben, auch im Alter. Der klassische Mediziner mit Erfahrungen in der Anti-Aging-Medizin sucht hinter den oft zahlreichen Symptomen von Altersbeschwerden und Erkrankungen nach den Ursachen und behandelt diese. Wenn beispielsweise eine Frau mit 60 Jahren über labilen Bluthochdruck, Depressionen, Schlafstörungen und Gelenkschmerzen klagt, dann würde vielleicht die klassische Medizin Blutdrucksenker, Antidepressiva, Schlafmittel und Arthrosemittel verordnen. Der Anti-Aging-Mediziner überprüft eher den Östrogenspiegel und gleicht hier zunächst einen belegten Mangel aus, der alle die geschilderten Symptome mitverursachen kann.

Dr. Bernd Kleine-Gunk: Die klassische Medizin ist eine Reparaturmedizin. Jemand hat eine Erkrankung, geht zum Arzt und lässt diese Erkrankung behandeln. Zunehmend wird natürlich erkannt, dass sowohl Vorsorge als auch Prävention einen wichtigen Stellenwert haben. Es gibt jedoch einen Unterschied zwischen dem, was öffentlich verkündet, und dem, was tatsächlich getan und vor allen Dingen dann auch von den Krankenkassen bezahlt wird. In der ärztlichen Praxis ist es immer noch so, dass Präventionsangebote auch weiterhin im Wesentlichen im Selbstzahlerbereich angesiedelt sind.

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Wo verläuft die Abgrenzung zwischen der verständlichen Beeinflussung von Alterungsprozessen und einem zweifelhaften Jugendwahn?

Dr. Alexander Römmler: Solange Menschen die Endlichkeit des Daseins sowie den Verfall des Organismus im Alter erfassen können, ist deren Bestreben nach Abwenden solcher Ausblicke verständlich. Der Menschheitstraum eines Jungbrunnens liegt tief in uns verwurzelt, er ist eine wichtige Triebfeder kulturellen und wissenschaftlichen Handelns und sollte nicht als Wahn charakterisiert werden. Jeder Einzelne setzt hier seine persönlichen Grenzen, die auch vom Zeitgeist und dem Machbaren geprägt sind, da ist nichts anzuordnen. Im Gegenteil, das Ergebnis solcher Menschheitsbemühungen ist vielfältig dokumentiert. Die Lebensumstände und die Lebensspanne der Menschen – zumindest in den jeweils fortschrittlichsten Gemeinschaften - haben sich von Anbeginn bis heute, erst recht mit Beginn der naturwissenschaftlich begründeten Zivilisation und Medizin, offensichtlich kontinuierlich verbessert. Ein Ende solcher Entwicklungen ist nicht absehbar, das Zeitalter der Molekularbiologie, Genetik und Epigenetik mit seinen fantastisch anmutenden Perspektiven und Ängsten hat soeben erst begonnen.

Dr. Bernd Kleine-Gunk: Anti-Aging ist nicht die Medizin für Leute, die dem Jugendwahn verfallen sind. Die haben ja eigentlich nicht Angst, dass sie plötzlich eine Arteriosklerose bekommen oder an Osteoporose leiden. Die fürchten sich eher vor grauen Haaren, vor Falten oder sonstigen kosmetischen Makeln. Und suchen dann zumeist Hilfe im ästhetisch-plastischen Bereich, der durchaus seine Berechtigung hat. Unser Ansatz ist aber ein völlig anderer. Uns geht es um die Beeinflussung des Alterungsprozesses an sich, nicht um die Kaschierung von äußeren Merkmalen dieses Prozesses. Deshalb ist die Anti-Aging-Medizin auch keine Modeerscheinung, sondern die Präventivmedizin des 21. Jahrhunderts.

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Herr Dr. Römmler, Sie waren bis 2009 der erste Präsident der 1998 gegründeten Deutschen Gesellschaft für Prävention und Anti-Aging Medicine. e.V., GSAAM. Wofür steht die Anti-Aging-Medizin in Deutschland heute?

Dr. Alexander Römmler: Als Selbstbetroffener damals am Übergang zum älteren Erwachsenenalter teilte ich die Vision, das Altersschicksal nicht einfach passiv zu erdulden, sondern an dessen Gestaltung aktiv mitzuwirken. Damals gab es noch nicht viel Gleichgesinnte. Als langjähriger Endokrinologe und Reproduktionsmediziner hatte ich mich bis dahin medizinisch eher mit den Anfängen des Lebens beschäftigt. Die gewonnenen Erfahrungen und Einblicke konnten nun auf den zweiten Lebensabschnitt übertragen und weiter erforscht werden: Beispielsweise tragen ansteigende Hormonspiegel wesentlich zum Aufbau und der Funktion des jungen Organismus bei, abfallende zum Altern. „Die Hormone“ sind somit ein kleiner und wichtiger Teil im großen Puzzle der Alterung. Die Anti-Aging-Medizin trägt viele solche Aspekte zusammen, was von einer einzelnen Fachrichtung nicht alleine zu bewerkstelligen ist. Somit ist die GSAAM eine medizinisch-wissenschaftliche Gesellschaft von Ärzten praktisch aller Fachgruppen. Es wird neues Wissen zusammengetragen, aufbereitet und abgewogen, dazu werden Anwendungserfahrungen miteinander ausgetauscht. So lassen sich Irrwege und Nebenwirkungen, aber auch vielversprechende und erfolgreiche Möglichkeiten schneller zum Wohle aller verbreiten. In den zehn Jahren seit unserer Gründung hat sich schon viel in Deutschland verändert. Der mündige und älter werdende Patient fragt immer öfter und drängender, was er zur längeren Gesunderhaltung und Prävention von Alterungsfolgen aktiv tun kann. Solche Fragen darf man nicht nur die Medien schlagzeilenträchtig beantworten lassen. Neben unseren über 1.000 Mitgliedern haben nun auch Universitätskliniken gezielt Sprechstunden, Vorlesungen und Fortbildungen über Anti-Aging-Medizin eingeführt, zwar erst vereinzelt, aber das ist ja schon was. Eine neue medizinische Sichtweise und Epoche hat Wurzeln geschlagen, sie möge weiter blühen und gedeihen.

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Herr Dr. Kleine-Gunk, Sie sind der neue Präsident der German Society of Anti-Aging Medicine, GSAAM. Wie wird eine heute siebzigjährige Person von dem zunehmendem Wissen über das Altern und von neuen Anwendungen in den kommenden 15 Jahren profitieren?

Dr. Bernd Kleine-Gunk: Wir unterscheiden in der Anti-Aging-Medizin zwischen chronologischem und biologischem Lebensalter. Chronologisch lässt sich das Alter nicht beeinflussen – das ist der Verlauf der Jahre. Biologisch können Sie aber jünger oder älter sein, als es laut Personalausweis Ihrem Alter entspricht. Wir sehen in den letzten Jahren deutlich eine allgemeine positive Tendenz. Die Menschen leben nicht nur länger, was die Zunahme der Lebenserwartung nachweist. Sie sind auch biologisch jünger als früher. Heute ist tatsächlich jemand mit 70 in einem biologischen Zustand wie ein Sechzigjähriger Mitte des 20. Jahrhunderts. Deshalb unterscheiden wir heute zwischen jungen Alten und alten Alten. Die jungen Alten sind zwischen 65 und 80, und da sehen wir, dass uns in dieser Phase eine weitgehend krankheits- und beschwerdefreie Phase für die meisten Menschen noch gelingt. Ab 80 geht es dann zumeist los mit Erkrankungen, die dann doch die Lebensqualität deutlich vermindern. Ziel ist, diese Phase weiter hinauszuschieben. Das verstehen wir unter gesundem Altern. In 20 Jahren wird dann jemand mit 85 oder 90 tatsächlich noch einen Gesundheitszustand haben wie ein heute Siebzig- oder Fünfundsiebzigjähriger. Ich halte das für ein realistisches Ziel. Das ist nicht das Versprechen von ewiger Jugend, aber es ist die Aussicht auf ein gesundes Altern.

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