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Melatonin – Mutter-Hormon der Chronobiologie
Erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts wirklich begriffen: Das Hormon der Zirbeldrüse ist der wichtigste Taktgeber für unsere inneren Uhren
Vögel und Menschen besitzen unter der Schädeldecke einen Lichtsensor. Ein Unterschied ist gravierend. Der Schädelknochen der gefiederten Freunde ist sehr dünn und lässt Licht durch. Ihr Melder für den Übergang von Tag auf Nacht, wegen der Ähnlichkeit mit einem Zapfen der Pinie Pinealorgan, beziehungsweise mit Zapfen der Zirbelkiefer Zirbeldrüse genannt, sieht direkt den Eintritt der Dunkelheit. Unser „drittes Auge“ ist in diesem Sinne blind. Und damit wird es kompliziert.
Für das Gelingen dieses Ein-Aus-Schaltens ist das menschliche Gehirn auf neuronale Verschaltungen angewiesen. Die Netzhaut verfügt über spezielle Sensoren, die bis 2002 unentdeckt waren.
Diese Gewebebestandteile des Auges registrieren die Morgen- und Abenddämmerung, die Jahreszeit, Stimmungen und Schwingungen. Eine sehr komplexe Nervenverbindung übermittelt Informationen dieser Rezeptoren unserem Pinealorgan zwischen Kleinhirn und Großhirn. Etwa sechs Millimeter lang, wiegt es kaum ein Gramm. Diese Drüse reagiert auf die Länge des Tageslichts – die präziseste Information der Natur – ebenso wie auf Botschaften zur Jahreszeit. Die mit elektrischen Botschaften übertragenen Impulse werden hier in ein Hormon umgewandelt, in Melatonin. Es ähnelt in seinen Strukturen dem Glückshormon Serotonin. Damit wird das winzige Pinealorgan zur Steuerzentrale aller weiteren Drüsen und vieler anderer Regelstrukturen!
Und sein Produkt, das so genannte Schlafhormon, liefert einen der interessantesten Anti-Aging-Effekte: Die nächtliche Absenkung der Körpertemperatur bedeutet einen gewissen Alterungsschutz (bei 24 Grad würde sich menschliches Leben theoretisch auf 200 bis 280 Jahre verlängern!)
Die wichtigste von Melatonin beeinflusste Struktur ist ein Nervenbündel im Gehirn, mit dem komplizierten Namen „Suprachiasmatische Nuclei“ (SCN). Von hier wird der Hypothalamus gesteuert, der zu bestimmten Tageszeiten Releasingfaktoren ausschüttet. Über einen eigenen Blutkreislauf werden in der Folge die wichtigsten Steuerhormone (FSH, LH und ACTH) in der Hirnanhangdrüse freigesetzt, die ihrerseits die Hormondrüsen im ganzen übrigen Körper kontrollieren.
Der vom Pinealorgan ausgehende Wirkmechanismus kann als das Hauptstellwerk aller inneren Uhren betrachtet werden.
Diese Zentrale erfährt von außen den Tag-Nacht-Wechsel und betreibt auf dieser Basis unzählige Rhythmen in unserem Körper, vermutlich Abertausende, die aufeinander und untereinander abgestimmt werden. Die Kenntnisse über die Zeitgeber und ihre Auswirkungen auf den menschlichen Organismus werden in der faszinierenden und jungen Wissenschaft der Chronobiologie gesammelt und verwertet. Für den engagierten Arzt ist dieses Wissen unendlich wertvoll. Es kann verhindern, das Richtige zum falschen Zeitpunkt zu tun.
Die Chronotherapie kann der entscheidende Faktor sein, den Körper gerade dann zu unterstützen, wenn die Therapie größte Wirkung auslöst. Vier Elemente bestimmen den Erfolg: die optimale Substanz, die richtige Menge, das angesteuerte Zielorgan und der wirksame Zeitpunkt.
Zum Beispiel kann der Rhythmus der Magenaktivität eine große Rolle spielen. Mit dem Zeitpunkt der Einnahme wählt der Chronobiologie auch das Tempo der Transitzeit bis zum Erreichen des Zielorgans. Die Durchblutung der Verdauungsorgane ist nachts und zu Tagesbeginn sehr hoch. Die Einnahme eines Wirkstoffes am Morgen wird dementsprechend das Erreichen der höchsten Konzentration um Stunden beschleunigen.
Wie lange soll der Wirkstoff im Blut bioaktiv verfügbar sein? Manche Substanzen bedürfen für ihre Wirksamkeit am Zielort zusätzlicher Stoffe. Diese Helfer müssen dort vorhanden sein, wenn sie benötigt werden. Alles Blut, das vom Magen wegfließt, erreicht als erstes das Entgiftungsorgan Leber. Wird die therapeutische Substanz dort verändert? Wie viel muss eingenommen werden, damit am Ende noch genügend vorhanden ist? Oder eignet sich ein Vorprodukt besser, das von der Leber erst in den gewünschten Zustand verstoffwechselt wird?
Für solche Fragen wurden Chronobiologen vor wenigen Jahrzehnten noch ausgelacht. Heute ist ihr Spezialgebiet anerkannt.
Es gibt Substanzen, die gleichzeitig, und andere, die nur im Abstand von mehreren Stunden zueinander eingenommen werden sollen. Intelligent konzipierte Präparate wirken mit chronobiologisch korrekter Formel. Sie trennen Inhaltsstoffe häufig in eine Morgen- und eine Abendkapsel oder verschließen sie mit einer Art Zeitschloss.
BuchTipp
Die rhythmische Aktivität unserer Organe spiegelt sich innerhalb ihrer eigenen Zyklen wieder. Die wichtigsten sind circadian, das heißt, sie wiederholen sich etwa innerhalb eines Tages. Genau genommen, ist der Organismus auf Überzeit programmiert. Unser biologischer Tag dauert manchmal bis zu 25 Stunden. Durch die Wahrnehmung des Helligkeit-Dunkelheit-Wechsels wird diese Spanne der Erdumdrehung angepasst und um eine Stunde verkürzt (Eine blinde Person muss ohne diese Orientierung mit dem verlängerten Tag leben).
Durch Melatonin wird die innere Uhr jede Nacht neu gestellt.
Die inneren Regulatoren teilen jedem Körperbereich Zeiten der Erholung und der Anstrengung zu. Manche Idee aus diesem Zeitplan bleibt ein Geheimnis der Evolution. Aber die Messungen sind unbestechlich:
- Morgens gegen 8 Uhr werden die meisten Sexualhormone produziert.
- Zwischen 10 und 12 Uhr gelingen knifflige Denkaufgaben besser.
- Zwischen 12 und 14 Uhr erzeugt der Magen die meiste Säure.
- Zwischen 19 und 22 Uhr sinken der Blutdruck und die Körpertemperatur ab.
Und alles wird gesteuert vom Pinealorgan. Denn das von ihr ausgeschüttete Melatonin gilt als das Mutter-Hormon der Chronobiologie. Seine herausregende Bedeutung hat das so genannte Schlafhormon als der einzige Botenstoff, der automatisch durch den Tag-Nacht-Rhythmus reguliert wird. Doch es gibt Probleme.
Nicht nur, dass der moderne Mensch sich als einziges Lebewesen von seinen Rhythmen löst und die Nacht zum Tag macht – je älter wir werden, umso niedriger wird nachts die Produktion von Melatonin und umso kürzer wird das von ihm ausgehende Signal an die anderen Drüsen. Häufig setzt es erst weit nach Mitternacht ein. Bei Tagesanbruch stoppt die Ausschüttung dieses Hormons jedoch weiterhin pünktlich. Das führt dazu, dass Älteren das Schlafhormon über einen viel zu kurzen Zeitraum und damit insgesamt immer weniger zur Verfügung steht.
Dem älteren Pinealorgan ist die ausreichende nächtliche Produktion von Melatonin nicht mehr möglich, auch wenn der Körper völliger Dunkelheit ausgesetzt wird. Die Zirbeldrüse wird sehr stark mit Blut versorgt und wie andere Areale mit Gefäßen ist sie prädestiniert, unter Kalkablagerung zu leiden.
Es kommt zu ausgeprägten Schlafstörungen. Melatoninmangel spiegelt sich auch in der Rhythmizität der nachgeschalteten Hormonsysteme wieder. Das kann zum Faktor einer früh eintretenden Menopause werden. Es kommt zu einer Abschwächung der Produktion von HGH, des Wachstumshormons, („Hormon der Lebenskraft“). Es droht Insulinresistenz, die zu Diabetes führen kann. Der Harndrang bleibt nachts auf Tagesaktivität, weil ohne Melatonin ein spezielles Antihormon (ADH) fehlt.
Besondere Folgen zeigt der Melatoninmangel direkt im Gehirn.
Alle nächtlichen Reparaturmechanismen werden verringert. Das Abspeichern von Informationen ins Langzeitgedächtnis, das nachts erfolgt, ist erschwert. Das erhöht die Anfälligkeit für frühzeitige Demenz und neurodegenerative Prozesse.
Unter ärztlicher Kontrolle – denn es ist ein Hormonersatz – kann Melatonin therapeutisch eingesetzt werden. Empfohlen wird eine chronobiologisch berechnete Freisetzung. Ein kleiner Teil der Substanz wirkt rasch und behandelt die Einschlafstörung. Der größte Teil ist in langsamer Form aktiv mit einer Wirkung über sechs bis acht Stunden. Sie schließt frühzeitiges Erwachen aus. Diese Kriterien erfüllt das seit Jahren bewährte Präparat Melachron® mit pharmazeutisch reinem Melatonin in Tabletten zu 3 mg (Hersteller: VitaBasix®).
Verbraucher-Tipp
Melachron®, rezeptpflichtig, ist ein chronobiologisches Melatoninpräparat für das Einschlafen und Durchschlafen.
Hersteller: VitaBasix® (
www.vitabasix.com).
Zu beziehen über Apotheken oder über PHARMATRANS Inc.
Bestell-Hotline (gebührenfrei): 00800 8020 8020



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