
Wissenschaftler untersuchen die Mönchsfrucht genauer und entdecken, dass sie mehr als nur ein Zuckerersatz ist. Neue Erkenntnisse, die im Journal of the Science of Food and Agriculture veröffentlicht wurden, beleuchten genauer, was die Mönchsfrucht biologisch aktiv macht. Die Forschung konzentriert sich auf die spezifischen chemischen Verbindungen in Luo Han Guo und wie sie die Gesundheit unterstützen können.
Die Inhaltsstoffe der Mönchsfrucht
Luo Han Guo (Siraitia grosvenorii), besser bekannt als Mönchsfrucht, ist eine langlebige Kletterpflanze, die zur Familie der Kürbisgewächse gehört, derselben Pflanzengruppe wie Gurken und Kürbisse. Sie stammt aus Südchina, wo sie seit Jahrhunderten in traditionellen Lebensmitteln und Heilmitteln verwendet wird. In den letzten Jahren hat die Mönchsfrucht aufgrund ihres hohen Gehalts an Antioxidantien die Aufmerksamkeit der modernen Wissenschaft auf sich gezogen. Antioxidantien sind Substanzen, die die Zellen vor Schäden durch instabile Moleküle schützen, die als freie Radikale bekannt sind und mit Alterungsprozessen und vielen chronischen Krankheiten in Verbindung gebracht werden.
Eine der wichtigsten Eigenschaften von Luo Han Guo ist ihr Reichtum an sogenannten sekundären Metaboliten. Dabei handelt es sich um natürliche Pflanzenstoffe, die zwar nicht für das grundlegende Wachstum erforderlich sind, aber oft eine Rolle bei der Abwehr, der Farbe, dem Geschmack und den gesundheitlichen Auswirkungen auf den Menschen spielen. In diesem Fall konzentrierten sich die Forscher auf drei Hauptgruppen: Terpenoide, Flavonoide und Aminosäuren.
Terpenoide sind Verbindungen, die häufig in Pflanzen existieren und antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften haben können. Mogroside (eine spezielle Untergruppe innerhalb der Terpenoide) sind triterpene Glykoside, die fast ausschließlich in der Mönchsfrucht (Siraitia grosvenorii) vorkommen. Flavonoide sind eine weitere große Klasse von Pflanzenstoffen, die für ihre Fähigkeit bekannt sind, freie Radikale zu neutralisieren und die Herz- und Stoffwechselgesundheit zu unterstützen. Aminosäuren, die Bausteine von Proteinen, sind für viele Prozesse im Körper unerlässlich, darunter die Gewebereparatur und die Immunfunktion. Die Wissenschaftler untersuchten sowohl die Schale als auch das Fruchtfleisch von vier verschiedenen Luo Han Guo-Sorten. Auf diese Weise konnten sie feststellen, wo diese Verbindungen konzentriert sind und wie sie sich biologisch verhalten.
Wie diese Verbindungen mit dem Körper interagieren
Über die bloße Identifizierung dieser Substanzen hinaus untersuchte die Studie, wie sie mit Antioxidansrezeptoren und anderen biologischen Zielstrukturen interagieren. Rezeptoren sind Strukturen in Zellen, die chemische Signale empfangen und Reaktionen im Körper auslösen. Diese Interaktionen beeinflussen verschiedene biologische Signalwege, bei denen es sich um schrittweise ablaufende Prozesse handelt, die zur Regulierung von Funktionen wie Entzündungen, Stoffwechsel und Zellschutz beitragen. Das Verständnis dieser Signalwege hilft zu erklären, warum Mönchsfrucht über ihre Verwendung als natürlicher Süßstoff hinaus gesundheitsfördernde Eigenschaften haben kann.
Warum Forscher mehrere Sorten untersuchten
Die Forscher betonten, dass nicht alle Mönchsfrucht chemisch identisch sind. Verschiedene Sorten können unterschiedliche Mengen und Kombinationen von Wirkstoffen enthalten. Wie die Autoren erklärten, „ist es von entscheidender Bedeutung, eine eingehende Untersuchung der hochauflösenden Stoffwechselprofile verschiedener Luo-Han-Guo-Sorten durchzuführen, um wertvolle Erkenntnisse über die Ernährungs- und Gesundheitseigenschaften sowie die Eignung der verschiedenen Ressourcen dieser Pflanze für die Herstellung zu gewinnen.“ Diese Art der detaillierten chemischen Kartierung hilft Wissenschaftlern dabei, zu bestimmen, welche Sorten sich am besten für Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel oder andere Verwendungszwecke eignen.
Traditionelle Anwendungen mit moderner Erklärung
In der traditionellen chinesischen Medizin wird Luo Han Guo seit Jahrhunderten eingesetzt bei:
- Husten und Heiserkeit
- Reizungen der Atemwege
- Hitzegefühlen und Entzündungen
- Verdauungsbeschwerden

Die entzündungshemmenden und antioxidativen Effekte der Mogroside liefern eine plausible biochemische Erklärung für diese traditionellen Anwendungen, insbesondere im Bereich der Atemwege und Schleimhäute.
Einfluss auf Blutzucker und Stoffwechsel
Mogroside erhöhen weder den Blutzucker noch den Insulinspiegel. Sie sind geeignet für Menschen mit Diabetes oder Insulinresistenz.
- Reduktion von Zuckeraufnahme → geringere Insulinbelastung
- Kein Einfluss auf Kariesbakterien
- Keine fermentierbaren Kohlenhydrate → gut verträglich für viele Menschen mit Reizdarm (FODMAP-arm)
Mögliche präbiotische Effekte (noch in Forschung)
Einige experimentelle Studien legen nahe, dass Mogroside das Wachstum bestimmter günstiger Darmbakterien fördern könnten und entzündliche Prozesse im Darmmilieu reduzieren. Diese Effekte sind noch nicht abschließend beim Menschen bestätigt, aber ein interessantes Forschungsfeld.
Neuroprotektive und immunmodulierende Hinweise
In präklinischen Studien (Zell- und Tiermodelle) wurden beobachtet:
- Schutz von Nervenzellen vor oxidativem Stress
- Modulation von Immunreaktionen
- Milderung allergieähnlicher Entzündungsprozesse
Wichtig: Diese Effekte sind nicht gleichzusetzen mit klinisch bewiesenen Heilwirkungen, zeigen aber das pharmakologische Potenzial der Frucht.



