Antiagingnews.net

Die Plattform für Anti-Aging Medizin und Prävention

Greifen Sie zu:

Melden Sie sich für den kostenlosen Newsletter an

Hier anmelden

  • Home
Home / Augen / Das Auge hat einen verborgenen Reinigungsweg: Forscher entdecken ein neues Drainagesystem

Das Auge hat einen verborgenen Reinigungsweg: Forscher entdecken ein neues Drainagesystem

Ein neu entdecktes Lymphgefäßsystem im hinteren Bereich des Auges könnte erklären, wie Flüssigkeit aus einer besonders empfindlichen Geweberegion abtransportiert wird. Die Entdeckung erweitert das bisherige Verständnis der Augenanatomie und wirft neue Fragen zu Erkrankungen wie dem Glaukom und der altersbedingten Makuladegeneration auf. Noch ist unklar, welche Rolle dieser Abflussweg beim Menschen spielt. Doch die Ergebnisse eröffnen ein neues Forschungsfeld für die Augenmedizin.

Warum das Auge auf einen funktionierenden Flüssigkeitshaushalt angewiesen ist

Das Auge ist ein hoch spezialisiertes Organ, dessen empfindliche Gewebe auf stabile Bedingungen angewiesen sind. Damit wir sehen können, müssen Flüssigkeitsbewegungen, Stoffwechsel und Versorgung der Zellen präzise aufeinander abgestimmt sein. Gleichzeitig entstehen bei den laufenden Stoffwechselprozessen Nebenprodukte, die verarbeitet oder abtransportiert werden müssen. Besonders anspruchsvoll ist diese Aufgabe im hinteren Augenbereich. Dort liegt die Netzhaut, die Lichtreize aufnimmt und in elektrische Signale umwandelt. Unter ihr befindet sich die Aderhaut, ein Gewebe mit zahlreichen Blutgefäßen, das unter anderem die äußeren Bereiche der Netzhaut versorgt.

Wie Flüssigkeit aus den verschiedenen Bereichen des Auges abfließt, ist für die Augenforschung seit Langem von Bedeutung. Störungen der Flüssigkeitsregulation können bei verschiedenen Augenerkrankungen eine Rolle spielen. Dennoch waren nicht alle anatomischen Wege bekannt, über die Flüssigkeit aus dem hinteren Augenabschnitt abtransportiert werden kann.

Eine Studie eines Forschungsteams der University of British Columbia und der University of Toronto liefert nun neue Hinweise auf einen solchen Weg. Die Wissenschaftler untersuchten bei Mäusen eine bislang nicht beschriebene Verbindung zwischen dem hinteren Augenbereich und dem Lymphsystem.

POLO: Ein neuer Hinweis auf den Lymphabfluss im hinteren Auge

Die Forscher bezeichnen den untersuchten Abflussweg als „posterior ocular lymphatic outflow“, kurz POLO. Gemeint ist eine Verbindung, über die Flüssigkeit aus dem Raum zwischen Aderhaut und Lederhaut in Richtung der umgebenden Gewebe und weiter zu Lymphknoten im Halsbereich gelangen kann. Das Lymphsystem erfüllt im gesamten Körper wichtige Aufgaben. Es nimmt überschüssige Gewebeflüssigkeit auf, transportiert bestimmte Bestandteile des Gewebes und ist an Immunreaktionen beteiligt. Bislang war die Anatomie des Flüssigkeitsabflusses im hinteren Augenabschnitt jedoch weniger gut verstanden als andere Drainagewege des Auges.

In der aktuellen Untersuchung fanden die Wissenschaftler Hinweise auf kleine Lymphgefäße in der Aderhaut. Mithilfe mehrerer Bildgebungsverfahren konnten sie verfolgen, wie markierte Flüssigkeit aus dem untersuchten Bereich des Auges in umliegende Gewebe gelangte und schließlich in nahegelegenen Halslymphknoten nachweisbar war. Die Ergebnisse sprechen damit für einen bislang nicht ausreichend beschriebenen lymphatischen Abflussweg. Sie erweitern das bisherige Bild davon, wie Flüssigkeit aus dem hinteren Augenbereich abgeleitet werden kann.

Wichtig ist allerdings die genaue Einordnung: Die Versuche wurden an Mäusen durchgeführt. Zudem konnte die Studie noch nicht jeden Abschnitt der gesamten Abflussstrecke auf Gefäßebene lückenlos nachweisen. Wie ausgeprägt und funktionell bedeutsam dieser Weg beim Menschen ist, muss daher erst noch untersucht werden.

Wie die Wissenschaftler den verborgenen Weg sichtbar machten

Um die Flüssigkeitsbewegungen zu untersuchen, kombinierten die Forscher verschiedene bildgebende und mikroskopische Methoden. Dazu gehörten die Magnetresonanztomografie, eine Nahinfrarot-Fluoreszenzbildgebung und mikroskopische Analysen von Gewebeproben. Ein entscheidender Schritt bestand darin, markierte Trägermoleküle in den suprachoroidalen Raum einzubringen. Dieser schmale Bereich liegt zwischen der Aderhaut und der Lederhaut. Die Markierungen ermöglichten es, die Bewegung der Flüssigkeit über einen bestimmten Zeitraum zu verfolgen.

Die Aufnahmen zeigten, dass sich das markierte Material bevorzugt in Richtung der Nasenseite der Augenhöhle bewegte. Später ließ es sich auch in einem Halslymphknoten auf derselben Körperseite nachweisen. Zusätzliche mikroskopische Untersuchungen lieferten Hinweise darauf, dass die beobachteten Gefäße in der Aderhaut tatsächlich lymphatische Eigenschaften besitzen. Dafür untersuchte das Team unter anderem spezifische Gefäßmarker.

Die Kombination dieser Methoden war wichtig, denn eine einzelne Bildaufnahme hätte nicht ausgereicht, um zwischen einer bloßen Ansammlung von Flüssigkeit und einem funktionellen Abflussweg zu unterscheiden. Die Studie liefert somit experimentelle Hinweise auf eine Verbindung zwischen dem hinteren Augenbereich und dem lymphatischen Netzwerk. Welche Mengen an Flüssigkeit unter normalen Bedingungen über diesen Weg transportiert werden und wie sich der Abfluss regulieren lässt, bleibt Gegenstand weiterer Forschung.

Was hat das mit Glaukom und Makuladegeneration zu tun?

Die Entdeckung ist vor allem deshalb interessant, weil verschiedene Erkrankungen des Auges mit Veränderungen der Flüssigkeitsregulation, entzündlichen Prozessen oder Schädigungen empfindlicher Gewebe verbunden sind. Beim Glaukom wird der Sehnerv geschädigt. Ein erhöhter Augeninnendruck ist ein wichtiger Risikofaktor, allerdings kann ein Glaukom auch bei statistisch normalen Druckwerten auftreten. Die Erkrankung ist komplex und lässt sich nicht allein durch eine Störung des Flüssigkeitsabflusses im hinteren Augenbereich erklären.

Bei der altersbedingten Makuladegeneration sind vor allem Strukturen im Bereich der Makula betroffen, die für scharfes Sehen wichtig sind. An der Erkrankung sind unterschiedliche Prozesse beteiligt, darunter Veränderungen des retinalen Pigmentepithels, Ablagerungen, Entzündungsmechanismen und Veränderungen der Gefäßversorgung.

Ob der neu beschriebene POLO-Abflussweg bei einer dieser Erkrankungen gestört ist oder zur Krankheitsentwicklung beiträgt, wurde in der aktuellen Studie nicht nachgewiesen. Dennoch eröffnet die Entdeckung eine neue Forschungsfrage: Könnten Veränderungen des Flüssigkeitsabtransports im hinteren Augenabschnitt dazu beitragen, dass bestimmte Stoffe oder Flüssigkeitsmengen unter krankhaften Bedingungen anders verteilt werden als in einem gesunden Auge?

Um das zu beantworten, müssen Wissenschaftler zunächst die normale Funktion dieses Systems genauer untersuchen. Anschließend gilt es festzustellen, ob sich der Abfluss bei bestimmten Augenerkrankungen tatsächlich verändert und ob solche Veränderungen mit Krankheitsverläufen zusammenhängen.

Ein möglicher Ansatzpunkt für zukünftige Therapien

Die Entdeckung eines zusätzlichen Abflusswegs könnte langfristig auch für die Entwicklung neuer Behandlungsansätze interessant werden. Denkbar wäre beispielsweise, dass ein besseres Verständnis der Flüssigkeitsbewegungen dabei hilft, die Verteilung bestimmter Medikamente im hinteren Augenabschnitt zu untersuchen.

Auch die Frage, ob sich der Abflussweg gezielt beeinflussen lässt, könnte für die Forschung relevant werden. Falls sich in zukünftigen Untersuchungen zeigt, dass Veränderungen dieses Systems bei bestimmten Erkrankungen eine Rolle spielen, könnte daraus ein neuer Ansatzpunkt für therapeutische Studien entstehen.

Davon ist die klinische Anwendung allerdings noch weit entfernt. Die aktuelle Untersuchung belegt weder, dass eine Aktivierung des POLO-Weges das Sehvermögen schützt, noch, dass sich dadurch Glaukom oder Makuladegeneration verhindern oder behandeln lassen. Zunächst muss geklärt werden, ob ein vergleichbarer Weg beim Menschen vorhanden ist, wie er anatomisch aufgebaut ist und welche Bedeutung er für den normalen Flüssigkeitshaushalt des Auges besitzt. Erst auf dieser Grundlage lässt sich beurteilen, ob sich daraus tatsächlich neue Behandlungsmöglichkeiten entwickeln lassen.

Ein neues Puzzleteil im Verständnis der Augenanatomie

Die Ergebnisse sind auch deshalb bemerkenswert, weil sie eine bislang wenig untersuchte Region des Auges betreffen. Während lymphatische Abflusswege im vorderen Augenbereich bereits Gegenstand früherer Forschung waren, fehlten für den hinteren Augenabschnitt vergleichbare direkte experimentelle Nachweise eines solchen Weges. Die aktuelle Arbeit knüpft an frühere Untersuchungen zu lymphatischen Drainagewegen des Auges an und erweitert sie um Befunde zur Aderhaut. Sie zeigt, dass die Flüssigkeitsbewegungen im Auge möglicherweise komplexer sind als bisher angenommen.

Die aktuelle Entdeckung steht nicht völlig isoliert, sondern baut auf vergangene Forschungen zum lymphatischen Abfluss des Auges auf. Bereits 2009 identifizierten Yeni H. Yücel und Kollegen lymphatische Gefäßstrukturen im Ziliarkörper des menschlichen Auges. In ergänzenden Experimenten an Schafen fanden sie Hinweise darauf, dass Flüssigkeit aus dem vorderen Augenbereich teilweise über lymphatische Wege in Lymphknoten des Kopf- und Halsbereichs gelangt.

Die Studie, veröffentlicht in Experimental Eye Research, lieferte damit wichtige Hinweise auf einen sogenannten uveolymphatischen Abflussweg. Die neue POLO-Forschung erweitert diese Perspektive auf den hinteren Augenabschnitt und untersucht insbesondere die Aderhaut. Beide Arbeiten beschäftigen sich mit lymphatischen Abflussmechanismen, betreffen jedoch unterschiedliche Bereiche des Auges und beruhen auf unterschiedlichen experimentellen Ansätzen.

Das bedeutet nicht, dass das Auge nun grundsätzlich als ein Organ mit einem vollständig kartierten Lymphgefäßnetz betrachtet werden kann. Vielmehr liefert die Studie einen konkreten Ausgangspunkt für weitere anatomische und funktionelle Untersuchungen. Besonders wichtig werden künftig Studien sein, die den Flüssigkeitstransport genauer quantifizieren, die beteiligten Gefäße entlang des gesamten Weges charakterisieren und den Mechanismus unter unterschiedlichen physiologischen Bedingungen untersuchen.

Ein neuer Forschungsweg – aber noch keine neue Behandlung

Für Menschen mit Glaukom, Makuladegeneration oder anderen Augenerkrankungen ergibt sich aus dieser Studie derzeit keine unmittelbare Änderung der Behandlung. Die Ergebnisse stammen aus einem Tiermodell und müssen zunächst in weiteren experimentellen und klinischen Untersuchungen eingeordnet werden. Die Entdeckung sollte deshalb nicht als Hinweis verstanden werden, dass bestehende Therapien bald ersetzt werden könnten. Sie zeigt vielmehr, an welcher Stelle neue Erkenntnisse über die Funktionsweise des Auges entstehen könnten.

Für die medizinische Forschung ist das ein wichtiger Unterschied: Bevor ein neu entdeckter Mechanismus therapeutisch genutzt werden kann, muss zunächst geklärt werden, ob er bei Menschen in vergleichbarer Weise funktioniert und ob seine gezielte Beeinflussung wirksam und sicher wäre. Der neu beschriebene POLO-Abflussweg erweitert das Wissen über die Flüssigkeitsbewegungen im hinteren Augenbereich. Die Ergebnisse aus Mäuseexperimenten sprechen dafür, dass lymphatische Gefäße der Aderhaut an einem bisher nicht ausreichend beschriebenen Abtransportweg beteiligt sind. Damit eröffnet sich ein neues Forschungsfeld, das langfristig für das Verständnis von Flüssigkeitshaushalt, Entzündungsprozessen und möglicherweise auch bestimmten Augenerkrankungen relevant werden könnte.

Ob sich daraus konkrete Therapien gegen Glaukom, Makuladegeneration oder andere Ursachen von Sehverlust entwickeln lassen, ist noch offen. Dafür müssen weitere Studien zunächst die Anatomie und Funktion des Systems beim Menschen klären. Die eigentliche Bedeutung der Entdeckung liegt deshalb vorerst nicht in einer unmittelbar verfügbaren Behandlung, sondern in einer neuen wissenschaftlichen Perspektive: Das Auge verfügt möglicherweise über zusätzliche Wege, Flüssigkeit aus seinem hinteren Bereich abzuleiten – und diese Wege könnten für die zukünftige Augenforschung wichtiger sein, als bislang angenommen.

Related Posts

  • Nährstoffmangel bei Studentinnen
    Nährstoffmangel bei Studentinnen

    Studentinnen sind jung, gebildet und gesundheitsbewusst, außerdem erleben sie ihre besten gebärfähigen Jahre. Alles gute…

  • Covid-19: Wie Sie ein starkes Immunsystem fördern
    Covid-19: Wie Sie ein starkes Immunsystem fördern

    Das Coronavirus hält derzeit die Welt in Atem. Bislang existieren keine wirksamen Medikamente gegen SARS-CoV-2,…

  • Prostatakrebs: Experten lösen Dilemma aus
    Prostatakrebs: Experten lösen Dilemma aus

    Gesunde Männer sollten aus Furcht vor Prostatakrebs nicht länger ihren PSA-Wert ermitteln lassen. Das empfiehlt…

« Zurück zu: News, Tipps und Trends

  • teilen 
  • teilen 
  • merken 
  • E-Mail 
« Maulbeeren und Darmflora: Wie die Frucht den Stoffwechsel beeinflussen könnte

Haupt-Sidebar

Kategorie

  • Altern
  • Augen
  • Chronobiologie
  • Depression & Stimmung
  • Entgiften & Entschlacken
  • Ernährung
  • Frauengesundheit
  • Haut & Haare
  • Herz & Kreislauf
  • Hirn & Gedächtnis
  • Hormone & Hormonähnliche Substanzen
  • Immunsystem, Zellschutz & Antioxidantien
  • Knochen & Gelenke
  • Kraft & Energie
  • Magen & Darm
  • Männergesundheit
  • Schlafen
  • Schmerzen & Entzündungen
  • Sexualität & Libido
  • Sport & Muskeln
  • Stoffwechsel & Gewicht
  • Vitamine & Nahrungsergänzungsstoffe
  • Zähne
  • Und übrigens

Zweit-Sidebar

  • Präventionsmedizin
  • Altersbedingte Störungen
    • Frauengesundheit
    • Männergesundheit
    • Stoffwechsel
    • Herz & Kreislauf
    • Gehirn & Stimmung
    • Augenerkrankungen
    • Knochen & Gelenke
    • Krebserkrankungen
    • Schlafstörungen
  • Chronobiologie
  • Ernährung
    • Superfoods
    • Kochrezepte
    • Wein-Tipp
    • Cocktail-Tipp
    • Chronodiät
  • Bewegung
  • Ästhetisches Anti-Aging
    • Lifting
    • Fettabsaugung (Liposuktion)
    • Faltenbehandlung
    • Brust
    • Nasenoperation (Rhinoplastik)
  • Hormone
  • Vitalstoff-Datenbank
  • News, Tipps und Trends
  • Risiko-Tests
    • Allgemeine Risikotests
    • Spezifische Risikotests
  • Buch-Tipps
  • Arzt-Suche
Ad

Weitere interessante Websites von Medichron Publications

Allgemeine Information

gesundeschwangerschaft.com
babywunsch.com

 

andromenopause.net
chronobiology.com

Fachpublikum

antiagingconcepts.com
dheafacts.org
melatoninfacts.org

 

pregnenolonfacts.org
serotoninfacts.org
  • Datenschutzerklärung
  • Nutzungsbedingungen
  • Impressum

© 2021 www.medichronpublications.com

Greifen Sie zu:

Melden Sie sich für den kostenlosen Newsletter an

Hier anmelden

  • Präventionsmedizin
  • Altersbedingte Störungen
    • Frauengesundheit
    • Männergesundheit
    • Stoffwechsel
    • Herz & Kreislauf
    • Gehirn & Stimmung
    • Augenerkrankungen
    • Knochen & Gelenke
    • Krebserkrankungen
    • Schlafstörungen
    • Back
  • Chronobiologie
  • Ernährung
    • Superfoods
    • Kochrezepte
    • Wein-Tipp
    • Cocktail-Tipp
    • Chronodiät
    • Back
  • Bewegung
  • Ästhetisches Anti-Aging
    • Lifting
    • Fettabsaugung (Liposuktion)
    • Faltenbehandlung
    • Brust
    • Nasenoperation (Rhinoplastik)
    • Back
  • Hormone
  • Vitalstoff-Datenbank
  • News, Tipps und Trends
  • Risiko-Tests
    • Allgemeine Risikotests
    • Spezifische Risikotests
    • Back
  • Buch-Tipps
  • Arzt-Suche