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Die bislang größte Studie zum Thema Kollagen zeigt, was wirklich wirkt

Kollagenpräparate haben sich zu einem der beliebtesten Produkte in der Wellnessbranche entwickelt und werden für alles Mögliche angepriesen – von jünger aussehender Haut über stärkere Gelenke bis hin zu besserer sportlicher Leistungsfähigkeit. Nun legt die bislang größte Auswertung der bisherigen Forschungsergebnisse nahe, dass einige dieser Behauptungen durch Belege gestützt werden, andere hingegen nicht.

Die bislang umfangreichste Untersuchung zu Kollagenpräparaten

Die im Aesthetic Surgery Journal Open Forum veröffentlichte neue Studie fasste die Ergebnisse von 16 systematischen Übersichtsarbeiten, 113 randomisierten kontrollierten Studien und fast 8.000 Teilnehmern aus aller Welt zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass Kollagenpräparate messbare Vorteile für die Hautgesundheit und bei Symptomen von Arthrose bieten können, jedoch kaum zur Steigerung der sportlichen Leistungsfähigkeit beitragen.

Die Studie wurde von Wissenschaftlern der Anglia Ruskin University (ARU) geleitet, die nach eigenen Angaben die erste integrierte Metaanalyse und Metaregression durchführten, die alle wichtigen Gesundheitsbereiche im Zusammenhang mit der Einnahme von Kollagenpräparaten abdeckte.

Durch die gemeinsame Auswertung dieser umfangreichen Datenbasis konnte das Team Muster in Bezug auf Dosierung und Anwendungsdauer identifizieren. Die Analyse zeigte, dass Menschen, die Kollagen über einen längeren Zeitraum einnahmen, tendenziell größere Verbesserungen bei der Hautfeuchtigkeit und -elastizität verzeichneten. Eine längere Einnahme wurde zudem mit einer Verringerung von Schmerzen und Steifheit bei Menschen mit Arthrose in Verbindung gebracht.

Vorteile für die Hautgesundheit und gesundes Altern

Zusätzlich zu den Auswirkungen auf die Haut- und Gelenkgesundheit wurde die Kollagen-Supplementierung mit moderaten Verbesserungen der Muskelmasse, der Muskelstruktur und der Sehnenstruktur in Verbindung gebracht. Den Forschern zufolge untermauern diese Ergebnisse die potenzielle Rolle von Kollagen für gesundes Altern. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Kollagen dazu beitragen kann, bestimmte Aspekte der muskuloskelettalen Gesundheit über einen längeren Zeitraum zu erhalten, auch wenn die Vorteile im Allgemeinen eher moderat als dramatisch waren.

Da Kollagen ein wichtiger Baustein von Bindegewebe, Sehnen und anderen stützenden Strukturen des Bewegungsapparats ist, könnte eine langfristige Supplementierung altersbedingte Veränderungen dieser Gewebe zumindest teilweise abmildern. Die Forscher betonen jedoch, dass Kollagen kein Ersatz für Bewegung, Krafttraining oder eine ausreichende Proteinzufuhr ist, sondern eher als unterstützender Baustein für den Erhalt von Beweglichkeit und Gewebequalität im Alter betrachtet werden sollte.

Wenig Belege für Leistungssteigerungen im Sport

Trotz weit verbreiteter Marketingversprechen, die sich an Sportler und Fitnessbegeisterte richten, fand die Übersichtsarbeit kaum Belege dafür, dass Kollagen die Trainingsleistung oder die Regeneration verbessert. Die Forscher fanden keine nennenswerten Vorteile für die Muskelregeneration nach dem Training, Muskelkater oder die mechanischen Eigenschaften der Sehnen. Auch bei wichtigen Leistungsparametern wie Kraft, Ausdauer oder sportlicher Gesamtleistung zeigten sich keine konsistenten Verbesserungen. Daher warnen die Autoren davor, Kollagen als schnelle Lösung zur Steigerung der sportlichen Leistungsfähigkeit anzusehen. Nach aktuellem Kenntnisstand scheint Kollagen eher die Gesundheit und Struktur bestimmter Gewebe zu unterstützen, als unmittelbar die sportliche Performance oder Erholung nach intensiven Trainingseinheiten zu verbessern.

Gemischte Ergebnisse für Stoffwechsel- und Mundgesundheit

Das Team untersuchte auch Studien, die die Auswirkungen von Kollagen auf die Mundgesundheit und kardiometabolische Werte wie Cholesterin, Blutdruck und Blutzuckerspiegel untersuchten. In diesen Bereichen waren die Belege weniger überzeugend. Die Ergebnisse waren entweder gemischt oder nicht eindeutig, und es gab nur wenige starke Belege dafür, dass Kollagen die Stoffwechselgesundheit, Zahnfleischerkrankungen oder kosmetische Ergebnisse in der Zahnmedizin signifikant verbessert. Zwar berichteten einige Studien über Verbesserungen einzelner Risikofaktoren, etwa bei Blutfettwerten oder bestimmten Entzündungsmarkern, doch konnten diese Ergebnisse bislang nicht konsistent über verschiedene Untersuchungen hinweg bestätigt werden. Ähnlich verhielt es sich bei der Mundgesundheit: Während einzelne Arbeiten auf mögliche positive Effekte für Zahnfleisch, Zahnhalteapparat oder die Wundheilung nach zahnmedizinischen Eingriffen hindeuteten, ist die wissenschaftliche Datenlage derzeit noch zu begrenzt, um daraus klare Empfehlungen abzuleiten.

Nach Ansicht der Forscher könnte dies unter anderem daran liegen, dass die zugrunde liegenden Studien sehr unterschiedliche Kollagenarten, Dosierungen und Einnahmezeiträume verwendeten. Zudem wurden häufig kleine Teilnehmergruppen untersucht, was die Aussagekraft der Ergebnisse einschränkt. Anders als bei Hautgesundheit und Arthrose, wo sich über zahlreiche Studien hinweg ein relativ einheitliches Bild zeigt, fehlen in den Bereichen Stoffwechsel- und Mundgesundheit bislang ausreichend konsistente Daten, um einen eindeutigen Nutzen nachzuweisen.

Die Forscher stellten zudem fest, dass neuere klinische Studien in einigen Bereichen tendenziell überzeugendere Ergebnisse lieferten, was sowohl auf Fortschritte bei den Kollagenformulierungen als auch auf Verbesserungen im Studiendesign und in der Forschungsqualität hindeuten könnte. Dies könnte bedeuten, dass bestimmte potenzielle Vorteile bislang unterschätzt wurden oder erst durch modernere Präparate und präzisere Untersuchungsmethoden sichtbar werden. Dennoch betonen die Autoren, dass weitere hochwertige Langzeitstudien erforderlich sind, um die tatsächliche Wirksamkeit, optimale Dosierungen und mögliche Unterschiede zwischen verschiedenen Kollagenquellen zuverlässig beurteilen zu können. Bis dahin bleibt die Evidenz für positive Effekte auf Stoffwechsel- und Mundgesundheit deutlich schwächer als für die nachgewiesenen Vorteile im Bereich der Haut- und Gelenkgesundheit.

Forscher fordern mehr hochwertige Studien

Lee Smith, Professor für Public Health an der Anglia Ruskin University (ARU) und Mitautor der Studie, sagte: „Diese Studie fasst die bislang überzeugendsten Erkenntnisse zur Kollageneinnahme zusammen.

Kollagen ist kein Allheilmittel, aber es hat glaubwürdige Vorteile, wenn es über einen längeren Zeitraum hinweg konsequent angewendet wird, insbesondere für die Haut und bei Arthrose. Unsere Ergebnisse zeigen klare Vorteile in Schlüsselbereichen des gesunden Alterns und räumen gleichzeitig einige der Mythen rund um seine Anwendung aus.

Diese Studie ist ein wichtiger Schritt hin zu fundierteren öffentlichen Leitlinien und besser konzipierter zukünftiger Forschung. Wir brauchen mehr hochwertige klinische Studien, darunter Untersuchungen zu langfristigen gesundheitlichen Ergebnissen, zur optimalen Dosierung und zu den Unterschieden zwischen verschiedenen Kollagenquellen.“

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