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Vitamin C und Krebs: Neue Studie gibt Hinweise auf möglichen Überlebensvorteil

Kann Vitamin C Menschen mit bestimmten Blutkrankheiten helfen, länger zu leben? Eine neue klinische Studie liefert dazu interessante Hinweise. Forschende untersuchten, ob eine tägliche Einnahme von Vitamin C den Krankheitsverlauf bei Menschen mit bestimmten Vorstufen von Blutkrebs oder einem Niedrigrisiko-myeloischen Blutkrebs beeinflussen könnte. Die Ergebnisse sind vielversprechend, müssen aber vorsichtig interpretiert werden. Denn obwohl sich bei der Überlebensrate ein möglicher Vorteil zeigte, konnte die Studie nicht nachweisen, dass Vitamin C das Wachstum der krankhaften Blutzellen deutlich verlangsamt. Was genau haben die Forschenden herausgefunden, welche Rolle spielt Vitamin C im Körper und was bedeutet das für Menschen, die sich für Ernährung und Krebsprävention interessieren?

Was wurde in der Studie untersucht?

Die Ergebnisse stammen aus der sogenannten EVITA-Studie, einer randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Phase-2-Studie. Die Forschung wurde von einem internationalen Team unter Beteiligung des Van Andel Research Institute und der Universität Kopenhagen durchgeführt.

Insgesamt nahmen 109 Menschen an der Untersuchung teil. Sie hatten entweder eine sogenannte klonale Zytopenie unklarer Bedeutung (CCUS) oder ein myelodysplastisches Syndrom (MDS) mit niedrigerem Risiko. Beide Erkrankungen betreffen die Blutbildung und können mit einem erhöhten Risiko verbunden sein, später eine akute myeloische Leukämie zu entwickeln.

Die Teilnehmenden wurden zufällig in zwei Gruppen eingeteilt:

  • Eine Gruppe erhielt zwölf Monate lang täglich 1.000 Milligramm Vitamin C zum Einnehmen.
  • Die Vergleichsgruppe erhielt ein Placebo ohne Vitamin C.

Weder die Teilnehmenden noch das behandelnde Studienteam wussten während der Untersuchung, wer das Vitamin und wer das Placebo erhielt. Dieses Studiendesign hilft, Verzerrungen bei der Bewertung der Ergebnisse zu reduzieren. Die Studie wurde im Fachjournal CANCER der American Cancer Society veröffentlicht. Sie untersuchte eine klar definierte Patientengruppe und lässt sich deshalb nicht ohne Weiteres auf andere Krebsarten übertragen.

Die auffälligste Beobachtung: Unterschiede bei der Überlebensrate

Während der Nachbeobachtung registrierten die Forschenden insgesamt 35 Todesfälle. Davon entfielen 24 auf die Placebogruppe und elf auf die Gruppe, die Vitamin C erhalten hatte. Eine zusätzliche, explorative Auswertung deutete darauf hin, dass die Teilnehmenden der Vitamin-C-Gruppe während der Nachbeobachtung häufiger am Leben waren als die Personen der Placebogruppe. Das ist ein interessantes Signal. Es beweist allerdings noch nicht, dass Vitamin C selbst für den Unterschied verantwortlich war oder dass sich derselbe Effekt in einer größeren Patientengruppe zeigen würde.

Entscheidend ist außerdem ein weiteres Ergebnis: Beim primären Untersuchungsziel, der Entwicklung beziehungsweise Ausbreitung der krankhaften Blutzellen, zeigte sich kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen. Die Forschenden sehen daher einen möglichen Ansatz für weitere Untersuchungen, aber noch keinen Beleg für eine etablierte Krebstherapie.

Warum könnte Vitamin C bei Blutkrankheiten eine Rolle spielen?

Vitamin C ist für viele normale Körperfunktionen wichtig. Es trägt unter anderem zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress bei, unterstützt die Kollagenbildung und verbessert die Aufnahme von Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln. Darüber hinaus untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wie Vitamin C bestimmte Prozesse in unseren Zellen beeinflusst, die für die Regulation der Genaktivität wichtig sind.

Eine zentrale Rolle spielt dabei das Enzym TET2. Es ist an epigenetischen Vorgängen beteiligt – also an Mechanismen, die mitbestimmen, welche Gene in einer Zelle aktiv sind, ohne die DNA-Sequenz selbst zu verändern. Veränderungen im TET2-Gen kommen bei bestimmten Blutkrankheiten und Leukämien vor. Vitamin C unterstützt die Aktivität von TET-Enzymen unter geeigneten biologischen Bedingungen. Deshalb erforschen Fachleute, ob es helfen könnte, gestörte Regulationsprozesse in blutbildenden Zellen zu beeinflussen.

Diese biologischen Erkenntnisse liefern eine mögliche Erklärung dafür, warum Vitamin C bei bestimmten Erkrankungen interessant sein könnte. Sie bedeuten jedoch nicht, dass die Einnahme von Vitamin C eine Leukämie verhindern oder behandeln kann.

Was zeigte die Studie noch?

Neben der Überlebensrate untersuchten die Forschenden weitere gesundheitliche Ergebnisse und biologische Veränderungen. In der Vitamin-C-Gruppe wurden Veränderungen bestimmter entzündungsbezogener Botenstoffe festgestellt. Außerdem traten einige unerwünschte Ereignisse, darunter Anämie, Lungenentzündung und innere Blutungen, seltener auf. Magen-Darm-Beschwerden waren dagegen in der Vitamin-C-Gruppe häufiger.

Zu Beginn der Untersuchung hatten mehr als die Hälfte der Teilnehmenden unzureichende Vitamin-C-Spiegel. Bei den Personen, die das Supplement erhielten, stiegen die Werte im Verlauf auf normale Bereiche. Diese Beobachtungen sind für die weitere Forschung relevant. Sie zeigen aber nicht, dass jede Person mit einer Krebserkrankung von zusätzlichen Vitamin-C-Präparaten profitieren würde.

Bedeutet das, dass Vitamin C vor Krebs schützt?

Nein. Diese Schlussfolgerung wäre nach dem derzeitigen Forschungsstand nicht gerechtfertigt. Die EVITA-Studie untersuchte eine kleine, spezifische Gruppe von Menschen mit bestimmten Blutkrankheiten. Sie war nicht darauf ausgelegt, zu beweisen, dass Vitamin C allgemein vor Krebs schützt oder als Behandlung bei bereits bestehenden Krebserkrankungen wirkt.

Auch der mögliche Überlebensvorteil muss zunächst in einer größeren Phase-3-Studie überprüft werden. Erst weitere Untersuchungen können zeigen, ob der beobachtete Unterschied zuverlässig ist, wie er zustande kommt und welche Patientengruppen gegebenenfalls profitieren könnten. Die Ergebnisse sind daher ein Anlass für weitere Forschung – keine Grundlage dafür, Vitamin C als Krebstherapie zu empfehlen.

Wie viel Vitamin C braucht der Körper?

Vitamin C ist ein lebenswichtiger Nährstoff, den der Körper nicht selbst herstellen kann. Gute Quellen sind beispielsweise Paprika, Zitrusfrüchte, Beeren, Brokkoli und andere Obst- und Gemüsesorten. Eine ausgewogene Ernährung hilft in der Regel dabei, den täglichen Bedarf zu decken. Nahrungsergänzungsmittel können bei einem nachgewiesenen Mangel oder in bestimmten medizinischen Situationen sinnvoll sein.

Die in der EVITA-Studie verwendete Dosis von 1.000 Milligramm täglich ist jedoch nicht als allgemeine Empfehlung für Menschen mit Krebs oder für die Krebsprävention zu verstehen. Höhere Dosen können unter anderem Magen-Darm-Beschwerden verursachen und sind bei bestimmten Erkrankungen, etwa einer Neigung zu Nierensteinen, nicht ohne Weiteres geeignet.

Wer eine Krebserkrankung hat oder sich in medizinischer Behandlung befindet, sollte Nahrungsergänzungsmittel mit dem behandelnden Team besprechen. Vitamin C sollte nicht eigenständig als Ersatz für eine empfohlene Behandlung eingesetzt werden.

Fazit: Interessante Ergebnisse, aber noch keine neue Krebstherapie

Auch frühere Forschungsarbeiten haben untersucht, ob Vitamin C den Verlauf von Krebserkrankungen beeinflussen kann. Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2021 wertete 21 Studien mit insgesamt 1.961 Patientinnen und Patienten aus. Dabei wurden sowohl oral eingenommenes als auch intravenös verabreichtes Vitamin C untersucht.

Die Ergebnisse waren uneinheitlich. Für die Einnahme von Vitamin C als Nahrungsergänzungsmittel ließ sich kein überzeugender Nutzen bei der Behandlung von Krebserkrankungen nachweisen. Auch bei intravenös verabreichtem Vitamin C reichten die bisherigen Daten nicht aus, um eine zuverlässige Aussage über die Wirksamkeit zu treffen. Die Forschenden betonten insbesondere die begrenzte Qualität vieler Studien und den Bedarf an weiteren gut geplanten klinischen Untersuchungen.

Die EVITA Studie liefert erste klinische Hinweise darauf, dass eine tägliche Vitamin-C-Supplementierung bei Menschen mit bestimmten Vorstufen von Blutkrebs oder Niedrigrisiko-myeloischen Blutkrankheiten mit einer günstigeren Überlebensrate verbunden sein könnte. Gleichzeitig zeigte sich kein signifikanter Effekt auf das primäre Studienziel, die Entwicklung der krankhaften Blutzellen. Die Untersuchung war relativ klein, und der mögliche Überlebensvorteil stammte aus einer explorativen Auswertung. Deshalb braucht es größere Studien, bevor sich daraus konkrete Behandlungsempfehlungen ableiten lassen. Die wichtigste Erkenntnis: Vitamin C bleibt ein wichtiger Nährstoff, und seine Rolle bei bestimmten Blutkrankheiten ist ein spannendes Forschungsgebiet. Ob Nahrungsergänzungsmittel tatsächlich das Überleben verbessern können, ist aber noch nicht abschließend geklärt.

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