
Laut einer neuen Studie des King’s College London können Menschen, die eine kurzfristige kalorienarme Diät befolgen, geringere Entzündungswerte im Zusammenhang mit Zahnfleischerkrankungen aufweisen. Die Studie legt nahe, dass neben der Entfernung von Zahnbelag und einer guten Mundhygiene auch Änderungen des Lebensstils eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Zahnfleischerkrankungen spielen könnten. Obwohl Fasten bereits zuvor mit einer Verringerung von Entzündungen im gesamten Körper in Verbindung gebracht wurde, ist dies die erste Studie, die einen Zusammenhang zwischen Fasten und Markern für Zahnfleischerkrankungen aufzeigt. Die Ergebnisse untermauern die wachsende Erkenntnis, dass Mundgesundheit und allgemeine Gesundheit eng miteinander verbunden sind.
Zahnfleischerkrankungen und Ernährung
Parodontitis ist eine schwere Form der Zahnfleischerkrankung, von der weltweit Millionen von Menschen betroffen sind. Sie entwickelt sich häufig aus einer zunächst harmlosen Zahnfleischentzündung (Gingivitis), wenn bakterielle Beläge auf den Zähnen und am Zahnfleischrand nicht ausreichend entfernt werden. Im Verlauf dringen die Bakterien und die durch sie ausgelöste Entzündungsreaktion in tiefere Gewebeschichten vor. Dadurch werden das Zahnfleisch, die Haltefasern der Zähne und schließlich auch der Kieferknochen geschädigt. Unbehandelt kann dies zu Zahnlockerungen und letztlich zum Verlust von Zähnen führen.

Die Bedeutung der Parodontitis beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Mundgesundheit. In den vergangenen Jahrzehnten haben zahlreiche Studien gezeigt, dass die Erkrankung mit verschiedenen allgemeinen Gesundheitsproblemen in Zusammenhang steht. Besonders intensiv untersucht wurde die Verbindung zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bei einer Parodontitis entsteht eine dauerhafte Entzündung, bei der Entzündungsstoffe und gelegentlich auch Bakterien aus den Zahnfleischtaschen in den Blutkreislauf gelangen können. Dies kann die allgemeine Entzündungsbelastung des Körpers erhöhen und möglicherweise Prozesse fördern, die an der Entstehung von Arterienverkalkungen, Herzinfarkten und Schlaganfällen beteiligt sind. Zwar gilt Parodontitis nicht als alleinige Ursache dieser Erkrankungen, sie wird jedoch als möglicher Risikofaktor angesehen, der bestehende Herz-Kreislauf-Probleme begünstigen oder verstärken kann.
Besonders gut belegt ist auch der Zusammenhang zwischen Parodontitis und Diabetes. Menschen mit Diabetes haben aufgrund von Veränderungen im Stoffwechsel und einer eingeschränkten Immunabwehr ein erhöhtes Risiko, an Parodontitis zu erkranken. Gleichzeitig kann eine bestehende Parodontitis die Blutzuckereinstellung erschweren, da die chronische Entzündung die Wirkung von Insulin beeinträchtigen kann. Es besteht somit eine wechselseitige Beziehung: Diabetes erhöht das Risiko für Parodontitis, während Parodontitis die Kontrolle des Diabetes verschlechtern kann.
Darüber hinaus werden Zusammenhänge zwischen Parodontitis und weiteren Erkrankungen wie der Rheumatoide Arthritis, der Alzheimer-Krankheit sowie bestimmten Atemwegserkrankungen untersucht. Auch bei Schwangerschaften gibt es Hinweise darauf, dass schwere Formen der Parodontitis mit einem erhöhten Risiko für Frühgeburten oder einem niedrigen Geburtsgewicht des Kindes verbunden sein könnten. In vielen dieser Bereiche besteht weiterhin Forschungsbedarf, doch die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Mundgesundheit eng mit der allgemeinen Gesundheit verknüpft ist.
Mögliche Behandlung bei Parodontitis
Die derzeitige Behandlung der Parodontitis zielt in erster Linie darauf ab, die bakteriellen Beläge und Entzündungsherde zu entfernen, die für die Erkrankung verantwortlich sind. Zu Beginn erfolgt eine gründliche Untersuchung des Zahnfleisches und der Zahnfleischtaschen, um das Ausmaß der Erkrankung festzustellen. Anschließend werden im Rahmen einer professionellen Parodontalbehandlung Plaque und Zahnstein sowohl oberhalb als auch unterhalb des Zahnfleischrandes entfernt. Dieses Verfahren, das als professionelle Zahnreinigung sowie als geschlossene Parodontaltherapie mit Scaling und Wurzelglättung bezeichnet wird, reduziert die Anzahl der krankheitsverursachenden Bakterien und ermöglicht dem entzündeten Gewebe, sich zu regenerieren. In fortgeschrittenen Fällen können zusätzlich antibakterielle Spüllösungen, lokal angewendete Antibiotika oder chirurgische Eingriffe erforderlich sein, um tiefere Zahnfleischtaschen zu reinigen und geschädigtes Gewebe zu behandeln.
Ein weiterer zentraler Bestandteil der Behandlung ist die langfristige Eindämmung der Plaquebildung, da Parodontitis eine chronische Erkrankung ist und nach erfolgreicher Therapie erneut auftreten kann. Deshalb werden Patientinnen und Patienten ausführlich über eine wirksame Mundhygiene aufgeklärt. Dazu gehören das regelmäßige Zähneputzen mit geeigneten Techniken, die tägliche Reinigung der Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder Interdentalbürsten sowie die Verwendung geeigneter Mundspüllösungen, wenn diese empfohlen werden. Ergänzend sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen und unterstützende Parodontitis-Nachsorgeprogramme beim Zahnarzt wichtig, um neue bakterielle Beläge frühzeitig zu erkennen und zu entfernen. Durch die Kombination aus professioneller Behandlung und konsequenter häuslicher Mundpflege kann das Fortschreiten der Erkrankung in vielen Fällen gestoppt und die langfristige Gesundheit von Zahnfleisch und Zahnhalteapparat erhalten werden.
Reduzierte Entzündungswerte im Blut und im Zahnfleischgewebe
Forscher untersuchen jedoch zunehmend, ob Ernährungsumstellungen dazu beitragen könnten, die Behandlungsergebnisse zu verbessern. Um diese Möglichkeit zu untersuchen, rekrutierten die Forscher 28 Patienten aus Krankenhäusern in ganz Spanien. Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen aufgeteilt: Die eine Gruppe hielt sich fünf Tage lang an eine kalorienreduzierte Diät, während die andere Gruppe sich weiterhin wie gewohnt ernährte.

Die Teilnehmer der Fastengruppe nahmen in den ersten beiden Tagen 1.100 Kalorien pro Tag zu sich, gefolgt von 750 Kalorien pro Tag in den nächsten drei Tagen. Am sechsten Tag wurde die Kalorienzufuhr schrittweise durch weiche Nahrung erhöht, bevor die Teilnehmer am siebten Tag wieder zu ihrer normalen Ernährung zurückkehrten. Dieser Zyklus wurde über einen Zeitraum von sechs Monaten dreimal wiederholt, und die Teilnehmer berichteten, dass die Diät relativ leicht einzuhalten war.
Nach sechs Monaten analysierten die Forscher Proben aus dem Blut der Teilnehmer sowie aus der Zahnfleischspaltflüssigkeit – einer Flüssigkeit, die sich im kleinen Zwischenraum zwischen Zahn und Zahnfleisch befindet und dazu beiträgt, das Zahnfleisch zu schützen und vor schädlichen Mikroben zu verteidigen. Im Vergleich zur Kontrollgruppe wiesen die Teilnehmer, die das Fastenprogramm absolviert hatten, sowohl im Blut als auch im Zahnfleischgewebe niedrigere Werte von Entzündungsmarkern auf. Sie hatten zudem niedrigere Werte des C-reaktiven Proteins, eines weit verbreiteten Markers für systemische Entzündungen. Darüber hinaus zeigte die Fastengruppe eine Verringerung von Molekülen, die spezifisch mit Entzündungen im Zahnfleisch in Verbindung stehen.
Warum könnte Fasten helfen?
Der leitende Autor, Prof. Luigi Nibali vom King’s College London, sagte: „Es kann mehrere Gründe geben, warum Fasten für Patienten mit Zahnfleischerkrankungen von Vorteil ist. Fasten reduziert oxidativen Stress im Körper, eine häufige Ursache für Entzündungen, die Zellen und die DNA schädigen können. Der Begriff oxidativer Stress beschreibt ein Ungleichgewicht zwischen sogenannten freien Radikalen und den körpereigenen Schutzmechanismen (Antioxidantien). Freie Radikale sind hochreaktive Sauerstoffverbindungen, die natürlicherweise bei Stoffwechselprozessen entstehen. In moderaten Mengen erfüllen sie wichtige Funktionen, beispielsweise bei der Immunabwehr. Werden jedoch zu viele freie Radikale gebildet oder stehen nicht genügend Antioxidantien zu ihrer Neutralisierung zur Verfügung, können sie körpereigene Strukturen angreifen und schädigen.

„Der Verzehr kalorienreicher Lebensmittel und raffinierter Kohlenhydrate, beispielsweise in Kuchen und Keksen, kann ebenfalls Entzündungen verursachen – daher verringert der Verzicht auf diese Lebensmittel ebenfalls den oxidativen Stress im Körper. „Möglicherweise hat Fasten auch positive Auswirkungen auf das Mikrobiom – die Gemeinschaft von Bakterien im Körper, die dazu beitragen, ihn gesund zu halten. Es sind jedoch weitere Untersuchungen erforderlich, um diesen Zusammenhang zu bestätigen.“ Die Forscher sagen, dass Fasten-imitierende Diäten letztendlich als zusätzliches Instrument zur Unterstützung der Standardbehandlungen von Zahnfleischerkrankungen untersucht werden könnten, darunter professionelle Zahnreinigung und Beratung zur Mundhygiene.
Zukünftige Forschung und Behandlungspotenzial
Dr. Mainas fügte hinzu: „Nachdem wir diesen Zusammenhang nun nachgewiesen haben, möchten wir eine größere Studie durchführen, bevor wir diese Methode möglicherweise in Zukunft in die Behandlung von Zahnfleischerkrankungen integrieren. Es kann Patienten geben, bei denen eine Einschränkung der Nahrungsaufnahme gefährlich sein kann, beispielsweise bei Diabetikern; daher müssen die Empfehlungen auf bestimmte Patientengruppen zugeschnitten sein.
Wir untersuchen derzeit, wie wir diese Vorteile bei Hochrisikogruppen umsetzen könnten, die möglicherweise nicht fasten können.“ Die neuen Erkenntnisse bauen auf jahrelanger Forschung am King’s College London auf, in der die Zusammenhänge zwischen Mundgesundheit und allgemeiner Gesundheit untersucht wurden. Im vergangenen Jahr fanden Forscher am King’s College heraus, dass die mediterrane Ernährung Zahnfleischerkrankungen reduzieren kann und dass eine erfolgreiche zahnärztliche Behandlung das Risiko für Diabetes und Herzerkrankungen senken kann.



