
Pommes frites gehören weltweit zu den beliebtesten Beilagen. Ob im Restaurant, als Fast Food oder aus dem heimischen Backofen – die knusprigen Kartoffelstäbchen stehen regelmäßig auf dem Speiseplan vieler Menschen. Gleichzeitig gelten sie seit Jahrzehnten als Sinnbild einer eher ungesunden Ernährung. Eine neue Langzeitstudie liefert nun weitere Hinweise darauf, dass dieser Ruf nicht unbegründet sein könnte.
Forscher berichten, dass der regelmäßige Verzehr von Pommes frites mit einem deutlich höheren Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden ist. Überraschend dabei: Für andere Kartoffelgerichte wie gekochte, gebackene oder pürierte Kartoffeln ließ sich derselbe Zusammenhang nicht nachweisen. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift The BMJ veröffentlicht und basieren auf Gesundheitsdaten von mehr als 205.000 Menschen, die über mehrere Jahrzehnte hinweg beobachtet wurden.
Kartoffeln stehen seit Jahren in der Diskussion
Kartoffeln gelten grundsätzlich als nährstoffreiches Lebensmittel. Sie liefern Ballaststoffe, Vitamin C, Kalium und verschiedene Mineralstoffe. Gleichzeitig enthalten sie jedoch große Mengen Stärke und besitzen einen vergleichsweise hohen glykämischen Index. Dieser beschreibt, wie schnell ein Lebensmittel den Blutzuckerspiegel ansteigen lässt.

Lebensmittel mit einem hohen glykämischen Index führen dazu, dass Glukose rasch ins Blut gelangt. Darauf reagiert der Körper mit einer verstärkten Ausschüttung von Insulin. Erfolgt dies über viele Jahre hinweg regelmäßig, kann dies die Entwicklung von Insulinresistenz und schließlich Typ-2-Diabetes begünstigen.
Frühere Untersuchungen hatten daher bereits einen möglichen Zusammenhang zwischen Kartoffelkonsum und Diabetesrisiko festgestellt. Allerdings betrachteten viele Studien Kartoffeln als eine einheitliche Lebensmittelgruppe. Die neue Untersuchung wollte genauer herausfinden, ob die Art der Zubereitung eine entscheidende Rolle spielt.
Fast vier Jahrzehnte Beobachtungszeit
Für ihre Analyse griffen die Wissenschaftler auf Daten aus drei großen US-amerikanischen Langzeitstudien zurück. Insgesamt wurden mehr als 205.000 Frauen und Männer begleitet, die zu Beginn weder an Diabetes noch an Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs litten.
Über einen Zeitraum von fast 40 Jahren dokumentierten die Teilnehmer regelmäßig ihre Ernährungsgewohnheiten. Dadurch konnten die Forscher nachvollziehen, welche Lebensmittel über längere Zeiträume hinweg bevorzugt konsumiert wurden und wie sich dies auf die Gesundheit auswirkte.
Während der Nachbeobachtungszeit entwickelten 22.299 Teilnehmer einen Typ-2-Diabetes. Diese große Zahl ermöglichte es den Forschern, Zusammenhänge zwischen bestimmten Ernährungsweisen und dem Erkrankungsrisiko besonders detailliert zu untersuchen.
Vor allem Pommes frites fallen negativ auf
Die Auswertung zeigte zunächst, dass der gesamte Kartoffelkonsum nur einen vergleichsweise schwachen Zusammenhang mit dem Diabetesrisiko aufwies. Drei Portionen Kartoffeln pro Woche waren insgesamt mit einem um etwa fünf Prozent höheren Risiko verbunden.
Deutlich auffälliger waren jedoch die Ergebnisse für Pommes frites. Teilnehmer, die durchschnittlich drei Portionen Pommes pro Woche verzehrten, hatten ein um rund 20 Prozent höheres Risiko, im Laufe der Beobachtungszeit an Typ-2-Diabetes zu erkranken.
Für gekochte, gebackene oder pürierte Kartoffeln zeigte sich dagegen kein statistisch signifikanter Zusammenhang mit einem erhöhten Diabetesrisiko. Dies deutet darauf hin, dass nicht die Kartoffel allein, sondern vor allem ihre Verarbeitung und Zubereitung entscheidend sein könnten.
Warum Pommes problematischer sein könnten
Die Forscher können nicht mit Sicherheit sagen, warum gerade Pommes frites so deutlich mit dem Diabetesrisiko verbunden waren. Es gibt jedoch mehrere plausible Erklärungen.

Zum einen werden Pommes in der Regel in Öl frittiert und enthalten dadurch deutlich mehr Fett und Kalorien als andere Kartoffelgerichte. Gleichzeitig entstehen beim Frittieren verschiedene chemische Verbindungen, die mit Entzündungsprozessen und Stoffwechselstörungen in Verbindung gebracht werden.
Hinzu kommt, dass Pommes häufig Teil einer insgesamt weniger ausgewogenen Ernährungsweise sind. Sie werden oft zusammen mit stark verarbeiteten Lebensmitteln, zuckerhaltigen Getränken oder Fast Food konsumiert. Zwar versuchten die Wissenschaftler, solche Einflussfaktoren statistisch zu berücksichtigen, vollständig ausschließen lassen sich solche Zusammenhänge jedoch nicht.
Ein weiterer möglicher Faktor ist die besonders hohe glykämische Belastung. Durch das Frittieren und die Verarbeitung können Kohlenhydrate besonders schnell verfügbar werden, was stärkere Blutzuckerschwankungen begünstigen könnte.
Vollkornprodukte schneiden deutlich besser ab
Besonders interessant war die Frage, welche Folgen der Austausch von Kartoffeln durch andere kohlenhydratreiche Lebensmittel haben könnte. Die Ergebnisse zeigten, dass Menschen, die drei Kartoffelportionen pro Woche durch Vollkornprodukte ersetzten, ein um acht Prozent geringeres Risiko für Typ-2-Diabetes aufwiesen. Wurden Pommes frites durch Vollkornprodukte ersetzt, fiel der Unterschied sogar noch deutlicher aus. In diesem Fall lag die Diabetesrate um 19 Prozent niedriger.
Vollkornprodukte enthalten mehr Ballaststoffe, Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe als stark verarbeitete Kohlenhydratquellen. Zudem werden sie langsamer verdaut, wodurch der Blutzuckerspiegel weniger stark ansteigt. Anders sah die Situation beim Austausch von Kartoffeln durch weißen Reis aus. In diesem Fall beobachteten die Forscher keine Verbesserung, sondern sogar eine höhere Rate von Typ-2-Diabetes.
Auch weißer Reis besitzt einen relativ hohen glykämischen Index und enthält deutlich weniger Ballaststoffe als Vollkornprodukte. Die Ergebnisse verdeutlichen deshalb, dass nicht nur die Reduktion bestimmter Lebensmittel entscheidend ist, sondern auch die Wahl geeigneter Alternativen.
Typ-2-Diabetes bleibt ein weltweites Gesundheitsproblem
Die Bedeutung solcher Erkenntnisse wächst vor dem Hintergrund steigender Diabeteszahlen weltweit. Typ-2-Diabetes zählt inzwischen zu den häufigsten chronischen Erkrankungen überhaupt. Nach Schätzungen der Internationalen Diabetes-Föderation sind weltweit mehrere Hundert Millionen Menschen betroffen, Tendenz weiter steigend. Experten sprechen teilweise bereits von einer stillen Epidemie, da viele Betroffene lange Zeit keine oder nur unspezifische Symptome zeigen.

Die Erkrankung entsteht in der Regel schleichend über viele Jahre hinweg. Im Zentrum steht dabei die sogenannte Insulinresistenz. Das Hormon Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse gebildet und sorgt normalerweise dafür, dass Glukose aus dem Blut in die Körperzellen aufgenommen und dort als Energie genutzt wird. Entwickelt sich jedoch eine Insulinresistenz, reagieren die Zellen zunehmend schlechter auf dieses Signal. Die Bauchspeicheldrüse versucht dies zunächst zu kompensieren, indem sie mehr Insulin produziert. Auf Dauer kann dieser Mechanismus jedoch versagen, wodurch der Blutzuckerspiegel dauerhaft erhöht bleibt. Unbehandelt kann dies langfristig zu Schäden an Blutgefäßen, Nerven und Organen führen. Besonders häufig betroffen sind Herz, Nieren, Augen und das Nervensystem. Aus diesem Grund gilt Typ-2-Diabetes als eine der wichtigsten Ursachen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenversagen und Erblindung im Erwachsenenalter.
Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen Übergewicht, insbesondere Fettansammlungen im Bauchraum, Bewegungsmangel und eine dauerhaft energie- und zuckerreiche Ernährung. Hinzu kommen genetische Veranlagungen sowie altersbedingte Veränderungen des Stoffwechsels. Auch chronischer Stress und Schlafmangel werden zunehmend als mögliche Einflussfaktoren diskutiert, da sie hormonelle Prozesse beeinflussen können, die wiederum den Blutzuckerstoffwechsel regulieren.
Da viele dieser Faktoren durch den Lebensstil beeinflussbar sind, richtet sich die Forschung seit Jahren verstärkt auf präventive Maßnahmen. Neben Bewegung und Gewichtsreduktion spielt dabei insbesondere die Ernährung eine zentrale Rolle. Wissenschaftler untersuchen, welche Ernährungsformen das Risiko für Typ-2-Diabetes senken können und welche Lebensmittelgruppen eher ungünstige Stoffwechseleffekte haben. Dabei zeigt sich zunehmend, dass nicht nur einzelne Nährstoffe entscheidend sind, sondern das gesamte Ernährungsmuster. Eine ballaststoffreiche Ernährung mit Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Gemüse und wenig stark verarbeiteten Lebensmitteln wird häufig mit einem geringeren Diabetesrisiko in Verbindung gebracht. Gleichzeitig deuten Studien darauf hin, dass stark raffinierte Kohlenhydrate und hochverarbeitete Lebensmittel die Entstehung von Insulinresistenz begünstigen könnten.
Die Ergebnisse sollten vorsichtig interpretiert werden
Vor diesem Hintergrund gewinnen Untersuchungen wie die aktuelle Studie zu Kartoffeln und Pommes frites an Bedeutung. Sie helfen dabei, Ernährungsgewohnheiten differenzierter zu betrachten und nicht nur einzelne Lebensmittel, sondern auch ihre Verarbeitung und ihren Platz in der Gesamt-Ernährung zu bewerten. Trotz der beeindruckenden Datenbasis betonen die Wissenschaftler, dass ihre Untersuchung keine Ursache-Wirkungs-Beziehung beweisen kann. Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, die lediglich Zusammenhänge aufzeigt.
Daher bleibt offen, ob Pommes frites tatsächlich direkt zur Entstehung von Diabetes beitragen oder ob andere Lebensstilfaktoren ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Darüber hinaus bestand die Studienpopulation überwiegend aus medizinischen Fachkräften europäischer Abstammung, sodass die Ergebnisse möglicherweise nicht uneingeschränkt auf andere Bevölkerungsgruppen übertragbar sind.
Kartoffeln müssen nicht vom Speiseplan verschwinden
Die Ergebnisse bedeuten jedoch nicht, dass Kartoffeln grundsätzlich gemieden werden sollten. Sowohl die Studienautoren als auch die Verfasser eines begleitenden Leitartikels betonen, dass Kartoffeln weiterhin Teil einer gesunden Ernährung sein können.
Entscheidend scheint vor allem die Zubereitungsart zu sein. Während Pommes frites mit einem erhöhten Diabetesrisiko verbunden waren, zeigten gekochte, gebackene oder pürierte Kartoffeln keinen vergleichbaren Zusammenhang. Gleichzeitig bestätigen die Daten erneut die Vorteile von Vollkornprodukten, die in zahlreichen Studien mit einem geringeren Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und andere chronische Leiden in Verbindung gebracht werden.
Für Verbraucher lautet die wichtigste Botschaft daher nicht, Kartoffeln vollständig zu meiden. Vielmehr sprechen die Ergebnisse dafür, häufiger zu schonend zubereiteten Kartoffelgerichten und Vollkornprodukten zu greifen und Pommes frites eher als gelegentliche Ausnahme zu betrachten.



